Übersicht der Predigten

  • add 04.04.2021: Predigt zu Ostern, über Johannes 20, 11-18 von Pfarrerin Ditta Grefe-Schlüntz

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    Durch den neuen Morgen sind Sie heute gekommen, um Ostern zu feiern. Wenn wir nachher hinausgehen und hinein in den Ostertag, dann werden die Töne der Osterchoräle mit uns gehen und mit ihnen eine Ahnung dessen, was es bedeutet, aufzuerstehen in das Licht eines neuen Tages, eines neen Lebens. Und trotzdem werden wir dieselben sein wie gestern, wie an Karfreitag und Karsamstag. Wir werden noch immer mit denselben Namen gerufen und noch immer unsere Lebensgeschichte mit uns haben, unsere Erinnerungen und Hoffnungen, unsere Erfolge und all unser Scheitern. Aber wir werden frei sein von Schuld. Befreit einen neuen schriftt wagen. Um aber diese Auferstehung mitten im Leben zu erfahren, gehen wir noch einmal durch die vergangene Nacht. Wir begleiten Mara von Magdala, Der Predigttext aus dem Johannesevangelium führt uns zu ihr. Ich lese aus Kapitel 20, die Verse 11-18.

     

    Maria aber stand draußen vor dem Grab und weinte. Als sie nun weinte, schaute sie in das Grab und sieht zwei Engel in weißen Gewändern sitzen, einen zu Häuten und einen andern u den Füßen, wo sie den Leichnam Jesu hingelegt hatten. Und die sprachen zu ihr: Frau, was weinst du? Sie spricht zu ihnen: Sie haben meinen Herrn weggenommen, und ich weiß nicht, wo sie ihn hingelegt haben. Und als sie das sagte, wandte sie sich um und sieht Jesus stehen und weiß nicht, dass es Jesus ist. Spricht Jesus zu ihr: Frau, was weinst du? Wen suchst du ? Sie meint, es sei der Gärtner, und spricht zu ihm: Herr, du hast ihn weggetragen, so sage mir, wo du ihn hingelegt hast, dann will ich ihn holen. Spricht Jesus zu ihr: Maria! Da wandte sie sich um und spricht zu ihm auf hebräisch: Rabbuni! Das heißt: Meister! Spricht Jesus zu ihr: Rühre mich nicht an! Denn ich bin noch nicht aufgefahren zum Vater: Geh aber hin zu meinen Brüdern und sage ihnen: Ich fahre auf zu meinem Vater und zu eurem Vater, zu meinem Gott und zu eurem Gott. Maria von Magdala geht und verkündigt den Jüngern: Ich habe den Herrn gesehen, und das hat er zu mir gesagt.

     

    Maria Magdalena stand am Ostermorgen draußen auf dem Friedhof – in Tränen. Ob sie in jener Nacht überhaupt Schlaf gefunden hat? Hat sie schwer wie Blei in traumloser Erschöpfung gelegen oder sich unruhig auf ihrem Lager hin- und her gewälzt? Lag sie wach- im Gegrübel und dem immer aufs neue vergeblichen Versuch, zu verstehen, was geschehen war?

     

    Die schrecklichen Bilder der letzten Zeit – alles wird sich ineinander verwoben haben, ein endloser Film, der einfach kein gutes Ende findet. Das kennen wir ja auch – aus Zeiten der Trauer und der Trennung….eigentlich ist man viel zu erschöpft u zu schlafen, viel zu aufgewühlt, um wirklich Ruhe zu finden, die Tränen sind längst alle. ES bleibt das Warten auf den neuen Morgen, damit man endlich aufstehen kann. Dem Grübeln entrinnen, das Gesicht waschen, die müden Knochen und schmerzenden Schultern ausstreichen – und dann das Fenster öffnen oder die Tür, hinaustreten in die kühle Luft – und spüren: wir leben noch.

     

    Und ist es nicht ein Wunder, dass der Morgen so wohltuend, die Sonne doch noch aufgegangen, das Dunkel tatsächlich gewichen ist?

     

    So stelle ich mir Maria an diesem Morgen vor. Sie streicht sich das Haar aus der Stirn und lässt ihr Gesicht einen Moment in den Händen ruhen. Und dann tritt sie vor die Tür und ihre Füße finden den Weg zum Grab vermutlich fast von allein. Wo sollte sie auch sonst hingehen – mit dieser Verlassenheit an diesem Morgen? Wahrscheinlich hat sie gar nicht mehr daran gedacht, dass Jesus davon gesprochen hat, nach drei Tagen aufzuerstehen – diese Rede war ihr eh unbegreiflich gewesen und hatte keinerlei Widerhall in ihrem Herzen gefunden. An ein “danach“ und sei es schon in drei Tagen hatte sie überhaupt gar nicht denken wollen, denn sie wollte keinen Abschied, kein Ende. Sie wollte leben mit ihm und Leben gestalten, hier und jetzt, nicht irgendwann und irgendwo anders.

     

    Aber so ist es nicht gekommen.

     

    Jesus hat seinem Ende entgegengesehen und alles Leiden, alle Demütigungen ertragen. Es kam, wie es musste und niemand hat das Unglück verhindern können. Es sei denn vielleicht, wenn die Menschen nach ihm und nicht nach Barabas gebrüllt hätten, wenn Judas ihn nicht verraten hätte, wenn Pilatus mutiger gewesen wäre – dann vielleicht.

     

    Aber jetzt ist das alles müßig.

     

    Maria tut das, was seit jeher Menschen angesichts des Todes tun. Während alle anderen ihrem Alltagsgeschäft nachgehen, läuft sie zum Friedhof, zu Jesu Grab.

     

    Wir wissen: Maria findet das Grab leer. Und sie findet einen Engel dort sitzen. Aber Maria kann weder in dem leeren Grab noch in der Anwesenheit der Engel Zeichen der Auferstehung sehen. Sie rechnet nicht mehr mit Wundern Der Gärtner möge doch bitte den Leichnam wieder herbringen. Die Nerven liegen blank, die letzten Tage und Nächte waren schrecklich. Da spricht der vermeintliche Gärtner sie an. Und legt in ihren Namen, seine Stimme und ihre Geschichte, alles, was war und alles, was so grausam zu Ende gegangen ist. „Maria!"

     

    Es ist, als ob sie aus einem bösen Traum erwacht, Lachen und Weinen, Tränen der Freude und der Erleichterung – Gott sei Dank! Das es das gibt! Es ist nicht zu Ende und doch noch gut ausgegangen….

     

    Wie viele Menschen hoffen, dass irgendwann die Tür geht und sie die vertrauten Schritte, den Klang der vermissten Stimme hören… dass endlich alles wieder normal wird und weitergeht, der Albtraum zu Ende ist.

     

    Aber so wird es nicht sein, so ist es auch für Maria nicht. So ist Auferstehung nicht gemeint. „Rühr mich nicht an!“ sagt Jesus, „denn ich bin noch nicht aufgefahren.“

     

    Rühr mich nicht an, denn es ist nicht mehr wie früher. Rühr mich nicht an, das Alte ist unwiederbringlich vorbei. Wir müssen Karfreitag realisieren, uns an ihm wund reiben, den Schmerz erleiden – es ist kein böser Traum, sondern ein wirklich es Unglück, dass uns um de Schlaf bringen kann. Der Tod greif noch immer unbarmherzig in unser Leben ein.

     

    Aber es ist nicht das Ende.

     

    Die Nacht geht vorbei.

     

    Der Morgen kommt.

     

    Und mit ihm neues Leben und Gottes Nähe.

     

    Ganz anders als wir dachten, ganz anders als wir es uns vorstellen können – aber so befreiend und erhellend, wie Licht in dunkler Nacht, denn Jesus Christus ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden. Halleluja!

     

    Amen.

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  • add 04.04.2021: Predigt zu Ostersonntag, von Pfr. L. Frei zu 2. Mose 14 – In Gottes Machtbereich

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    Der Herr wird für euch streiten und ihr werdet stille sein. (2. Mose 14,14)

     

    Dieser Satz stammt aus einer berühmten Geschichte. Es ist die Geschichte vom Durchzug der Israeliten durchs Schilfmeer.

     

    Gott hatte die Israeliten durch die Wolken- und Feuersäule ans Schilfmeer geführt. Vor ihnen lag nun undurchdringliches Wasser, links und rechts von ihnen war kilometerweit nur Schilfufer. Und als sie plötzlich merkten, dass das ägyptische Heer hinter ihnen herkam, da machte sich Panik breit unter den Israeliten. Denn ihnen war sehr schnell klar – jetzt gibt’s keinen Ausweg mehr. Wir sind verloren.

     

    Sie haben zu Mose geschrien: Warum hast du uns aus Ägypten geführt? Wären wir doch lieber dort geblieben. Es wäre besser, wenn wir als Sklaven in Ägypten gestorben wären, als hier in der Wüste zu getötet zu werden.

     

    Sie kennen die Geschichte. Sie wissen, wie sie ausgeht. Gott ließ schließlich einen Ostwind kommen und teilte das Wasser. Durch Schlamm und Matsch führte Gott sein Volk mitten durchs Schilfmeer in die Freiheit und das ägyptische Heer stürzte er in die Fluten.

     

    Doch warum hatte Gott sein Volküberhaupt in diese ausweglose Situation gebracht? Mose gibt noch vor dem Wunder Antwort darauf: Der HERR wird für euch streiten und ihr werdet stille sein.

     

    Dass es Gott ist, der wirkt, das wird ja wirklich erst dann klar, wenn es keinen Ausweg mehr gibt. Keiner konnte nach dem Durchzug durchs Schilfmeer noch sagen: „Weil wir diese oder diese Maßnahme ergriffen haben, deshalb sind wir jetzt frei von den Ägyptern.“ Nicht einmal Mose konnte das sagen.

     

    Ich habe mich gefragt, warum es Gott wichtig war, dass die Israeliten nichts mehr tun konnten außer auf Gott zu vertrauen. Das haben Sie ja nicht einmal getan, sie waren so in Panik, dass sie den Satz von Mose wahrscheinlich für vollkommen irre gehalten haben. Wieso also hat Gott diesen Weg für sein Volk gewählt?

     

    Ich denke, wenn wir Menschen einen Ausweg aus einer Krise finden, dann sind wir ungeheuer stolz darauf. Schnell sind wir der Überzeugung, dass die Überwindung einer Krise, oder auch unsere Gesundheit, unser Reichtum oder unser Erfolg – dass all das seinen Grund in unseren klaren Entscheidungen und beherzten Taten hat.

     

    Stolz sein ist nicht falsch, wenn uns etwas gelingt, aber wenn wir der Überzeugung sind, dass es unsere klugen Entscheidungen oder Taten waren, die zum Erfolg geführt haben, dann macht uns das höchstwahrscheinlich hart. Wie komme ich darauf?

     

    Unsere Überzeugungen, unser Glaube, ist der stärkste Antrieb in unserem Leben. Wo wir überzeugt davon sind, dass unsere Entscheidungen und Taten zum Erfolg geführt haben, da werden wir diesen Glauben auch anderen aufdrücken wollen, die nach uns kommen – es hat ja gut funktioniert. Nehmen wir ein ganz einfaches Beispiel: Schule. Wir alle sind zur Schule gegangen und wir kennen Schule nur so wie sie ist: ein Schulgebäude mit unterschiedlichen Klassenstufen und mit Lehrern. Es gibt sie in vielen Variationen, aber in den genannten Punkten sind sich alle gleich. Dass aus uns etwas geworden ist – so sind wir der Überzeugung – liegt in einem gewissen Teil auch am Schulsystem. Selbst wenn wir es vielleicht nicht gemocht haben.

     

    Doch unsere Überzeugungen verengen letztlich die Sicht, denn andere Wege können wir gar nicht mehr wahrnehmen. Manchmal geht das sogar so weit, dass wir andere Wege und Denkweisen nicht einmal mehr zulassen – wir beginnen zu zensieren. Weil wir so an unseren Überzeugungen hängen, machen wir immer mehr vom gleichen und zerstören am Ende womöglich mehr als wir meinen gerettet zu haben. So kann uns der Erfolg also hart machen.

     

    Deshalb ist es wichtig, dass Gott sein Volk in die Enge führt. Beim Durchzug durchs Schilfmeer erkennen sie: Gott hat alles in der Hand. Wenn wir uns über etwas rühmen wollen, z. B. dass wir frei sind, dass wir gesund sind oder Erfolg haben, dann können wir nur sagen: Gott hat uns dorthin gebracht.

     

    Jede andere Erklärung, die auf die Entscheidungen und Taten der Menschen verweist, wird uns letztlich hart machen.

     

    Den Tod können und müssen wir auch begreifen als eine ausweglose Situation, wie am Schilfmeer. In diese Enge werden wir alle einmal geführt.

     

    Jesus Christus hat an Ostern etwas ans Licht gebracht: Gott hat durch ihn einen Weg durch das scheinbar endlos dunkle Meer des Todes geschaffen. Darum können wir uns seit Ostern sogar auf das Sterben freuen.

     

    Denn es bedeutet nichts weiter, als das auch wir letztlich in diesen sagenhaften Machtbereich Gottes geführt werden, in dem wir eigentlich schon immer sind, den wir aber nur so schwer wahrnehmen. Wenn es ans Sterben geht, gibt es keinen menschlichen Ausweg mehr. So hart wir auch gewesen sind in unserem Leben, so viel wir auch geleistet haben, so stark auch unsere Überzeugungen sein mögen – hier hilft nichts mehr. Hier hilft uns aber der Auferstandene und führt uns durchs Dunkel des Todes in sein Licht voller Gnade und Barmherzigkeit, in eine Freiheit, die wir uns nicht erträumen können.

     

    Doch auf diese Macht von Jesus Christus brauchen wir nicht zu warten bis wir sterben. Die ist jetzt schon da. Sie war schon immer hier, denn Jesus durchschreitet alle Zeiten. Das Geheimnis seiner Macht ist Folgendes: da, wo wir in die Enge getrieben und schwach sind, da wird er uns wundersame Wege öffnen und mit seiner Kraft erfüllen. Wenn wir das erleben, dann merken wir es ganz real: Der Herr ist auferstanden – er ist wahrhaftig auferstanden.

     

    Halleluja.

     

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  • add 02.04.2021: Predigt zu Karfreitag über Jesaja 52, 13-15; 53, 1-12 von Pfarrerin Ditta Grefe-Schlüntz

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    Lange bevor Jesus lebte, erlebte das Volk Israel eine sehr bedrückende Zeit. Jerusalem, Israels heilige Stadt, war zerstört worden. Große Teile des Volkes waren verschleppt und deportiert worden. Die Menschen fragten sich, warum Gott ihnen dieses Schicksal zumutete. Dass er sie in die Fremde schickte, ihnen alles nahm, was sie gehabt hatten, dass er es zuließ, dass der Tempel, der Ort seiner Gegenwart, wo sie gebetet und seine Nähe gesucht hatten, zerstört worden war. War das eine Strafe Gottes? Hatte er sie fallen lassen? Ihre ganze Identität stand auf dem Spiel. Wer sind wir noch? Fragen sie sich. Wo ist Gott zu finden, wenn der Tempel in Trümmern liegt? Die Klagelieder Jeremias und einzelne Klagepsalmen geben Einblicke in die damalige Erschütterung und die Leiden der verschleppten Juden.

     

    Im Jesajabuch kann man behutsame Antworten auf diese Fragen lesen. Dabei spielt die Gestalt des Gottesknechts eine große Rolle. Wenn bei Jesaja vom leidenden Gottesknecht gesprochen wird, dann ist damit nicht unbedingt ein einzelner Mensch, sondern durchaus auch das zerrissene Volk Israel gemeint. Und hier, wo Jesaja von diesem Gottesknecht, von dem zerrissenen Volk Israel spricht, das so zerrissen ist in dem Glauben, dass ihr Schicksal eine Strafe für sein Verhalten ist, hier widerspricht Jesaja diesem vorherrschenden Denken. Er widerspricht dem Zusammenhang von Leid und Schuld. Er widerspricht dem, dass erfolglose und durch Krankheit gezeichnete Menschen für von Gott verlassene Personen gehalten wurden. Vorsichtig löst er den Zusammenhang von Schuld und Strafe auf. Dass das Volk Israel in alle Winde zerstreut ist, ist nicht Gottes Strafe, sondern die Folge von Ichbezogenheit und Gleichgültigkeit. Und er sagt, dass es Gott nicht über das Herz bringen würde, sein Versprechen an Israel Lügen zu strafen. Seine Zusagen, seine Verheißungen sind fest und unverbrüchlich. Hören wir aus Jesaja 53:

     

    Siehe, meinem Knecht wird’s gelingen, er wird erhöht und sehr hoch erhaben sein. Wie sich viele über ihn entsetzten – so entstellt sah er aus, nicht mehr wie ein Mensch und seine Gestalt nicht wie die der Menschenkinder - , so wird er viele Völker in Staunen versetzen, dass auch Könige ihren Mund vor ihm zuhalten. Denn was ihnen nie erzählt wurde, das werden sie nun sehen, und was sie nie gehört haben, nun erfahren. Aber wer glaubt dem, was uns verkündet wurde, und an wem ist der Arm des Herrn offenbart? Er schoss auf vor ihm wie ein Reis und wie eine Wurzel aus dürrem Erdreich. Er hatte keine Gestalt und Hoheit. Wir sahen ihn, aber da war keine Gestalt, die uns gefallen hätte. Er war der Allerverachtetste und Unwerteste, voller Schmerzen und Krankheit. Er war so verachtet, dass man das Angesicht vor ihm verbarg; darum haben wir ihn für nichts geachtet. Fürwahr, er trug unsere Krankheit und lud auf sich unsre Schmerzen. Wir aber hielten ihn für den, der geplagt und von Gott geschlagen und gemartert wäre. Aber er ist um unser Missetat willen verwundet und um unserer Sünde willen zerschlagen. Die Strafe liegt auf ihm, auf dass wir Frieden hätten, und durch seine Wunden sind wir geheilt. Wir gingen alle in die Irre wie Schafe, ein jeder sah auf seinen Weg. Aber der Herr warf unser aller Sünde auf ihn. Als er gemartert ward, litt er doch willig und tat seinen Mund nicht auf wie ein Lamm, das zur Schlachtbank geführt wird; und wie ein Schaf, das verstummt vor seinem Scherer, tat er seinen Mund nicht auf. Er ist aus Angst und Gericht hinweggenommen. Wen aber kümmert sein Geschick? Denn er ist aus dem Lande der Lebendigen weggerissen, da er für die Missetat seines Volkes geplagt war. Und man gab ihm sein Grab bei Gottlosen und bei Übeltätern, als er gestorben war, wiewohl er niemand Unrecht getan hat und kein Betrug in seinem Munde gewesen ist. Aber der Herr wollte ihn also zerschlagen mit Krankheit. Wenn er sein Leben zum Schuldopfer gegeben hat, wird er Nachkommen haben und lange leben, und des Herrn Plan wird durch Nachkommen haben und lange leben, und des Herrn Plan wird durch ihn gelingen. Weil seine Seele sich abgemüht hat, wird er das Licht schauen und die Fülle haben. Durch seine Erkenntnis wird er, mein Knecht, der Gerechte, den Vielen Gerechtigkeit schaffen, denn er trägt ihre Sünden. Darum will ich ihm die Vielen zur Beute geben und er soll die Starken zum Raube haben dafür, dass er sein Leben in den Tod gegeben hat und den Übeltätern gleichgerechnet ist und er die Sünde der Vielen getragen hat und für die Übeltäter gebeten.

     

    Da ist also einer, dem geht es schlecht. Wie gesagt, es muss nicht eine einzelne Person gewesen sein, dieser Gottesknecht. Meist hat man wie gesagt das ganze Volk Israel mit diesem Gottesknecht gemeint, Israel, wie es einst von Gott auserwählt war, nun aber zerschmettert, in alle Winde zerstreut und ein Bild des Jammers ist. Israel trug die Folgen seiner verhängnisvollen Politik und musste dafür bezahlen. DAS war seine Krankheit. Für viele sah es so aus, als ob gott selber seine Hände im Spiel gehabt hätte. Jesaja aber hält dagegen. Es war der Weg eigensüchtiger Menschen, der ein so großes Unglück provoziert hatte: „Wir gingen alle in die Irre wie Schafe, ein jeder sah auf seinen Weg.“

     

    Dann lenkt der Prophet den Blick in eine andere Richtung. Eigentlich müssten die Menschen aufhören, im Unglück zu baden, sagt er, und sich als gottverlassene Opfer zu stilisieren. Sollten sie sich doch daran erinnern, dass sie einmal erwählt wurden von Gott, dass Gott sie früher einmal in das Land ihrer Freiheit geführt hatte: „Siehe, meinem Knecht wird es gelingen, er wird erhöht und sehr hoch erhaben sein, dass auch Könige werden ihren Mund vor ihm zuhalten.“ Gottes Knecht Israel ist mehr als man ihm jetzt ansieht. Jesaja warnt vor Gedanken, die den Untergang eines Reiches als endgültig versteht, dem man nur tatenlos zusehen kann. Er glaubt auch bei dem zerrissenen Volk Israel eine neue Form der Gegenwart Gottes, aber keine erhabene, über allem stehende Gegenwart, sondern er glaubt daran, dass Gott mit seinem Volk leidet, dass er an ihrer Seite steht, ihren Weg durch das Leid mitgeht.

     

    Später hat die Kirche diesen Gottesknecht weiter aus dem Alten Testament hinaus auf Jesus übertragen. In dieser leidenden Gestalt hat man Jesus Christus erkannt, wie er verspottet und geschlagen am Kreuz starb. Aber nicht nur das, sondern die Kirche hat auch die Vorstellung weiter ausgebaut, dass Gott ein Opfer braucht, um sich mit den Menschen wieder zu versöhnen. Man hat gesagt, dass Gott wollte, dass ein Volk leidet, dass Gott wollte, dass Jesus leidet. Dass Jesus ein Opfer bringen musste, um Gott mit den Menschen wieder zusammenzubringen. Dabei hat man irgendwie alle Bundesschlüsse und Verheißungen Gottes mit den Menschen vergessen.  In unseren Kirchenliedern ist diese Vorstellung noch sehr gut dokumentiert, zum Beispiel in dem Lied „Ein Lämmlein geht und trägt die Schuld“, aber auch in anderen. Bis auf den heutigen Tag quält viele Menschen die Phantasie, dass Gott den Tod Jesu am Kreuz wollte. Dass aber durch dieses Denken der verhängnisvolle Zusammenhang von Schuld und Leid weiter gefestigt wird und tatsächliches Leid dadurch nicht als solches ernst genommen wird, das ist die unbarmherzige Folge daraus.

     

    Wie Jesaja verlässt die Theologie heute dieses Denken. Stattdessen fragt man danach, ob es nicht schon immer Menschen gegeben hat, die den gekreuzigten Jesus nicht als Gottes Opfer, sondern vielmehr als Opfer einer sehr gnadenlosen Vorstellung von Gott gesehen hat.

    Und diese Menschen gibt es tatsächlich. Es waren die Trauernden unter dem Kreuz, es war Jesu Mutter, es war Jesu Jünger Johannes, es war Maria von Magdala. Ich glaube, sie haben gewusst, dass das Leid Jesu, sein Sterben nicht an seiner Verworfenheit und seiner Schuld lag, sondern dass in seinem Leiden und seinem Sterben seine Nähe zu Gott und den Menschen zu sehen ist, ich bin sicher, sie haben in seinem Leid Gottes Mitleiden am menschlichen Elend, an menschlicher Not sehen können.

     

    Bleibt die Frage, warum es überhaupt Leid gibt. Warum wir ständig vom Leid reden. Niemand wünscht sich zu leiden, und wir wünschen es niemandem. Oft fragen mich Menschen, warum wir in der Kirche soviel von Leid und Trauer sprechen. Das Leben ist doch schön, lasst uns fröhlich sein und das Leben feiern.

     

    Aber Leiderfahrungen gehört zum Menschsein dazu. Das ist eine Einsicht, die sich früher oder später einstellt. Und inzwischen behaupte ich und bin ich überzeugt: wem diese Erfahrung von Leid fehlt, dem mangelt es an Lebenserfahrung. Wer noch nicht gelitten hat, was weiß der schon vom Leben, hat neulich jemand zu mir gesagt. Ich finde, das ist wahr. Leiden trifft uns, und Mitleid bewegt. Die Erkenntnis, dass Leid auch wie das Glück zum Menschsein gehört, zur Definition von Menschsein gehört, und die eigene Erfahrung von Leid, das öffnet das menschliche Herz. Mitleid entwickelt sich. Und irgendwann stellt sich auch Dankbarkeit ein. Dankbarkeit und damit einen Blick für alles, was trotzdem und in allem gut ist. Irgendwann auch Dankbarkeit für Hilfe und die Fähigkeit, Hilfe als etwas Bereicherndes zu erleben. Das alles sind Erfahrungen, die sensibilisieren, und gleichzeitig stärken und ermutigen.

     

    Karfreitag. Jesus am Kreuz. Blutüberströmt, geschlagen, verspottet, angstvoll, verzweifelt, betend, schreiend. Sich ergebend. Menschliches Leid und in diesem uns ganz nah. Jesus am Kreuz. Gott, der unser Leid kennt. Gott, der mit uns leidet. Karfreitag.

     

    Amen.

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  • add 02.04.2021: Predigt zu Karfreitag, zu Jesaja 52,13 – 53,12 von Pfr. Frei

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    13 Siehe, meinem Knecht wird's gelingen, er wird erhöht und sehr hoch erhaben sein. 14 Wie sich viele über ihn entsetzten – so entstellt sah er aus, nicht mehr wie ein Mensch und seine Gestalt nicht wie die der Menschenkinder –, 15 so wird er viele Völker in Staunen versetzen, dass auch Könige ihren Mund vor ihm zuhalten. Denn was ihnen nie erzählt wurde, das werden sie nun sehen, und was sie nie gehört haben, nun erfahren. 1 Aber wer glaubt dem, was uns verkündet wurde, und an wem ist der Arm des HERRN offenbart? 2 Er schoss auf vor ihm wie ein Reis und wie eine Wurzel aus dürrem Erdreich. Er hatte keine Gestalt und Hoheit. Wir sahen ihn, aber da war keine Gestalt, die uns gefallen hätte. 3 Er war der Allerverachtetste und Unwerteste, voller Schmerzen und Krankheit. Er war so verachtet, dass man das Angesicht vor ihm verbarg; darum haben wir ihn für nichts geachtet. 4 Fürwahr, er trug unsre Krankheit und lud auf sich unsre Schmerzen. Wir aber hielten ihn für den, der geplagt und von Gott geschlagen und gemartert wäre. 5 Aber er ist um unsrer Missetat willen verwundet und um unsrer Sünde willen zerschlagen. Die Strafe liegt auf ihm, auf dass wir Frieden hätten, und durch seine Wunden sind wir geheilt. 6 Wir gingen alle in die Irre wie Schafe, ein jeder sah auf seinen Weg. Aber der HERR warf unser aller Sünde auf ihn. 7 Als er gemartert ward, litt er doch willig und tat seinen Mund nicht auf wie ein Lamm, das zur Schlachtbank geführt wird; und wie ein Schaf, das verstummt vor seinem Scherer, tat er seinen Mund nicht auf. 8 Er ist aus Angst und Gericht hinweggenommen. Wen aber kümmert sein Geschick? Denn er ist aus dem Lande der Lebendigen weggerissen, da er für die Missetat seines Volks geplagt war. 9 Und man gab ihm sein Grab bei Gottlosen und bei Übeltätern, als er gestorben war, wiewohl er niemand Unrecht getan hat und kein Betrug in seinem Munde gewesen ist. 10 Aber der HERR wollte ihn also zerschlagen mit Krankheit. Wenn er sein Leben zum Schuldopfer gegeben hat, wird er Nachkommen haben und lange leben, und des HERRN Plan wird durch ihn gelingen. 11 Weil seine Seele sich abgemüht hat, wird er das Licht schauen und die Fülle haben. Durch seine Erkenntnis wird er, mein Knecht, der Gerechte, den Vielen Gerechtigkeit schaffen; denn er trägt ihre Sünden. 12 Darum will ich ihm die Vielen zur Beute geben und er soll die Starken zum Raube haben dafür, dass er sein Leben in den Tod gegeben hat und den Übeltätern gleichgerechnet ist und er die Sünde der Vielen getragen hat und für die Übeltäter gebeten.(Jesaja 52,13 - 53,12)

     

    Siehe, meinem Knecht wird’s gelingen, er wird erhöht und sehr hoch erhaben sein

     

    Ich erzähle euch heute eine Geschichte von einem Diener Gottes. Er wird erhöht und hoch erhaben sein. Er wird verehrt werden. Gott hat ihn erhöht. Aber er steht nicht an einer Machtposition wie Politiker, Könige oder Wirtschaftsbosse.

     

    Ganz im Gegenteil: die Menschen, die ihn zuletzt gesehen haben waren entsetzt über ihn. Furchtbar hat er ausgesehen. Ganz entstellt.

     

    Wie sich viele über ihn entsetzten – so entstellt sah er aus, nicht mehr wie ein Mensch und seine Gestalt nicht wie die der Menschenkinder

     

    Er wurde behandelt wie Vieh. Menschenwürde ade. Er hat sich nicht anpassen lassen an die Wertvorstellungen einer anmaßenden und überheblichen Gesellschaft. Er war anders. Auch das hat zum Entsetzen geführt. Er wurde nicht mehr als Mensch betrachtet.

     

    so wird er viele Völker in Staunen versetzen, dass auch Könige ihren Mund vor ihm zuhalten. Denn was ihnen nie erzählt wurde, das werden sie nun sehen, und was sie nie gehört haben, nun erfahren.

     

    Aber der Diener Gottes versetzt bis heute Menschen ins Staunen. Könige erbleichen vor seiner Macht. Denn er hat etwas ans Licht gebracht, von dem sie sich nicht vorstellen konnten, dass es möglich ist. Nie hatte man davor so etwas gehört. Wenn das stimmt, dann müssen wir unsere Wege ganz neu bedenken.

     

    Aber wer glaubt dem, was uns verkündet wurde, und an wem ist der Arm des HERRN offenbart?

     

    Ich stehe da, mit vielen anderen, die vor mir schon hier standen – in weitaus schlimmeren Zeiten. Wir alle haben es verkündet und wir werden nicht müde, diese Geschichte immer und immer wieder zu erzählen. Aber wer versteht es wirklich? Wer glaubt es wirklich? Glauben heißt ja nicht „für wahr halten“, sondern vertrauen. Wer lässt sich von dieser sagenhaften Geschichte sein Leben bestimmen? Wem offenbart der HERR seinen Arm – seine Macht, die so anders ist als wir es uns vorstellen können? Ich weiß es nicht.

     

    Er schoss auf vor ihm wie ein Reis und wie eine Wurzel aus dürrem Erdreich. Er hatte keine Gestalt und Hoheit. Wir sahen ihn, aber da war keine Gestalt, die uns gefallen hätte.

     

    Wenden wir uns dem Diener Gottes zu. Er war schon etwas besonders, wie etwa ein grünes Pflänzchen auf dürrem Land. Aber nicht, weil er ein Hochgeborener war – adlig oder ein Kind einer berühmten Person.

     

    Auch hat er nicht besonders gut ausgesehen, wie die Models aus der Werbung. Äußerlich war er absolut unauffällig. Ganz im Gegenteil:

     

    Er war der Allerverachtetste und Unwerteste, voller Schmerzen und Krankheit. Er war so verachtet, dass man das Angesicht vor ihm verbarg; darum haben wir ihn für nichts geachtet.

     

    Was will man von so einem erwarten? Der Mainstream hat ihn gemieden. Mit dem wollte niemand, der sich für wichtig hielt etwas zu tun haben. Der Mainstream sagte: Lächerlich – was hat er für eine Ausbildung? Was hat er vorzuweisen? Kein Studium, kein Doktortitel! Wo sind seine Veröffentlichungen? Wo sind seine weltlich anerkannten Zeugnisse? Man strafte ihn mit Verachtung.

     

    Fürwahr, er trug unsre Krankheit und lud auf sich unsre Schmerzen. Wir aber hielten ihn für den, der geplagt und von Gott geschlagen und gemartert wäre.

     

    Doch es war gerade andersherum. Diejenigen, die laut von Solidarität und Zusammenhalt schrien, ließen die Kranken allein. Sie machten einen Bogen um sie. Klar – Essen vor die Tür stellen oder mal einkaufen gehen – das war kein Problem; doch weiter ging ihre Solidarität nicht. Er war anders. Er ging zu ihnen hin – zu den Kranken und Schmerzverzerrten. Er achtete weder sie noch sich als tödliche Gefahr, sondern er brachte Lebendigkeit. Er scheute sich nicht ihnen gleich zu sein – krank, voller Schmerzen und verlassen von den Menschen. Doch gerade dadurch brachte er ihnen das Leben und neuen Mut. Er solidarisierte sich mit den Kranken, weil er ihre Krankheit ertrug und keinen Abstand hielt. Ja, er berührte sogar die Aussätzigen.

     

    Als er nun so darniederlag und von allen verachtet wurde, da sagten die Menschen über ihn: das ist jetzt der Lohn für seinen Weg. Da seht ihr was Gott mit einem macht, der sich nicht an das Gesetz und die Regeln hält.

     

    Aber er ist um unsrer Missetat willen verwundet und um unsrer Sünde willen zerschlagen. Die Strafe liegt auf ihm, auf dass wir Frieden hätten, und durch seine Wunden sind wir geheilt.

     

    Aber jetzt sehen wir es klar. Er trägt die Schuld, die wir nicht bereit waren zu tragen. Er hat sich nicht gescheut Verantwortung zu übernehmen. Denn Verantwortung kann man nur übernehmen, wenn man sich auch schuldig machen kann. Wir alle haben uns hinter dem Gesetz versteckt – so, dass wir am Ende sagen konnten: „wir haben doch alles richtig gemacht. Wir haben doch nur getan, was uns befohlen wurde. Wir sind unschuldig.“ Wir wollten die Schuld gerne weiterschieben statt Verantwortung zu übernehmen, so wie Adam und Eva. So haben es alle gemacht. Sogar die Obersten – deshalb haben sie ja die vielen Gesetze erlassen. Damit sie am Ende sagen können: wir haben alles getan, was man hätte tun können, koste es was es wolle. Wir wollten es nur richtig machen, wir sind unschuldig.

     

    Doch der Diener Gottes hat die Schuld auf sich genommen, damit wir uns nun nicht mehr eine Lüge vorspielen müssen. Die Lüge nämlich, dass wir schuldlos durchs Leben kommen können und die Verantwortung auf andere schieben können. Diese Lüge war mit einem unerträglichen Druck verbunden: ja nichts falsch machen. Du darfst dir keinen Fehler erlauben, den du nicht mehr wieder gut machen kannst. Er hat die übelsten Zurechtweisungen ertragen, damit wir Frieden bekommen können. Er hat diesen Konflikt auf sich genommen, den keiner von uns übernehmen wollte und hat uns gezeigt, wer wir wirklich sind. Das hat uns Frieden gebracht. Seine Wunden haben uns geheilt von unserer verrückten Idee, nicht schuldig werden zu dürfen.

     

    Wir gingen alle in die Irre wie Schafe, ein jeder sah auf seinen Weg. Aber der HERR warf unser aller Sünde auf ihn.

     

    Jeder schaute nur nach sich. Jeder wollte gut durchkommen und am Ende vor den anderen gut dastehen. Allein darum ging es uns. Hauptsache wir fallen nicht negativ auf. Hauptsache wir sind bei denen, von denen man am Ende sagt, sie seien die Guten. Wie töricht waren wir! Was haben wir alles an eigener Schande und Verletzungen der menschlichen Seele in Kauf genommen. Aber Gott warf unsere Schuld und unser Versagen auf ihn. Gott machte an ihm unsere Sünde, unsere Gewalt, unseren Hass, unsere Unversöhnlichkeit offenbar. An ihm sehen wir zu was wir im Stande sind.

     

    Als er gemartert ward, litt er doch willig und tat seinen Mund nicht auf wie ein Lamm, das zur Schlachtbank geführt wird; und wie ein Schaf, das verstummt vor seinem Scherer, tat er seinen Mund nicht auf.

     

    Es ist unglaublich wie Gottes Diener auf diese Brutalität reagierte. Aus seinem Mund hörten wir nie ein Wort des Fluchs, der Verwünschung oder der Empörung über uns Menschen, die ihn so brutal misshandelten. Er nahm die Gewalt der anderen auf sich und schlug nicht zurück. Ihre Wut ließen sie an ihm aus, zunächst mit Worten. Dann irgendwann folgte die physische Gewalt. Zu keinem Zeitpunkt vergalt er das Böse, dass sie ihm antaten mit Bösem. Er ließ es über sich ergehen und selbst in der Stunde seiner größten Schmerzen sprach er Worte der Vergebung.

     

    Er ist aus Angst und Gericht hinweggenommen. Wen aber kümmert sein Geschick? Denn er ist aus dem Lande der Lebendigen weggerissen, da er für die Missetat seines Volks geplagt war.

     

    Wie hat er all das ertragen? Das haben wir uns häufig gefragt. Doch jetzt ist es uns klar: es war keine Angst mehr in ihm. Keine Angst vorm Versagen, keine Angst vor dem Tod, keine Angst vor dem Gericht – er war ganz im Vertrauen auf den barmherzigen Gott.

     

    Wir sollten uns klarmachen, für wen er das getan hat. Er wurde getötet, brutal hingerichtet, weil wir nicht zu unserer Schuld und Begrenztheit stehen können. Das hat er für uns erlitten, damit wir wieder frei – im Vertrauen auf Gott, unseren barmherzigen Vater – leben können.

     

    Und man gab ihm sein Grab bei Gottlosen und bei Übeltätern, als er gestorben war, wiewohl er niemand Unrecht getan hat und kein Betrug in seinem Munde gewesen ist.

     

    Vielleicht hört es sich übertrieben an, aber ich kann es nicht anders sagen: in allem was er getan hat, hat er niemandem Unrecht getan. Er hat seinen Nächsten gesehen – nicht die Gebote, die man einhalten muss, damit man von anderen gelobt wird. Die Gebote waren für ihn stets Richtschnur auf den Nächsten hin, denn die Gebote sollten dem Menschen dienen und nicht andersherum. Und gerade dadurch hat er das Gesetz Gottes erfüllt.

     

    Aber er wurde wie ein Gottloser und Übeltäter begraben. Faszinierend: Durch seinen Tod hat er sich sogar mit den Übeltätern solidarisiert und ist mit ihnen eins geworden. Was für ein Mensch!

     

    Aber der HERR wollte ihn also zerschlagen mit Krankheit. Wenn er sein Leben zum Schuldopfer gegeben hat, wird er Nachkommen haben und lange leben, und des HERRN Plan wird durch ihn gelingen.

     

    Vielleicht fragen wir uns: Wieso Gott? – Gott wählte die Schwachheit um seine Stärke zu zeigen, so wie er das sehr oft tut. Es ist wie bei der Opferung eines Schuldopfers. Das Opfer ist letztlich ein Geschenk Gottes an uns Menschen. Gott braucht das Opfer nicht. Gott kann man nämlich nicht bezahlen. Aber wir Menschen brauchen das Opfer. Denn Gott muss uns zusagen, dass er uns unsere Schuld nicht anrechnet. Denn wenn er das täte: wer kann bestehen? Mit dem Diener Gottes ist der Plan Gottes gelungen: Gott hat uns durch ihn gezeigt, dass er nicht mit uns handelt nach unseren Sünden und uns nicht vergilt nach unserer Missetat.

     

    Weil seine Seele sich abgemüht hat, wird er das Licht schauen und die Fülle haben. Durch seine Erkenntnis wird er, mein Knecht, der Gerechte, den Vielen Gerechtigkeit schaffen; denn er trägt ihre Sünden.

     

    Ja, Gottes Diener schaute das Licht. Noch mehr, er brachte uns das Licht und die Fülle des Lebens. Durch seine Erkenntnis, dass Gott der Lebendige ist, der seine Sonne scheinen lässt über Gute und Böse, schaffte er – der Gerechte – uns die Gerechtigkeit. Denn in ihm gilt weder Frau noch Mann, weder Sklave noch Freier, weder krank noch gesund. Und er trägt unsere Sünde – wir brauchen uns also nicht davor zu fürchten, schuldig zu werden. Gottes Diener ist ja da, der die Sünde getragen hat und uns beisteht. Er kommt zu uns, auf unsere Ebene, damit auch wir zu unserer Schuld stehen können: Mein Kind, deine Sünden sind dir vergeben worden! Vergiss das  nicht.

     

    Darum will ich ihm die Vielen zur Beute geben und er soll die Starken zum Raube haben dafür, dass er sein Leben in den Tod gegeben hat und den Übeltätern gleichgerechnet ist und er die Sünde der Vielen getragen hat und für die Übeltäter gebeten.

     

    Genau deshalb, weil er uns gleich geworden ist, weil er den Übeltätern ein Übeltäter geworden ist durch seinen Tod, deshalb ist er für sie die Rettung. Auch für mich Übeltäter gilt das. Ich brauche mich nicht zu verstecken hinter Gesetzen um meine Schuld zu verheimlichen. Ich brauche mich auch nicht zu verdammen für Schuld, die ich nicht mehr wieder gut machen kann.  Ich kann sie tragen, weil ich getragen bin. Der Diener Gottes hat uns gezeigt, dass Gott dem Elenden hilft und Schuld vergibt – ja noch mehr, dass er uns ewiges Leben gibt aufgrund seiner Barmherzigkeit und nicht wegen unserer Werke.

     

    Darum, lasst uns umkehren zu Christus, dem größten Diener Gottes, und ihm Nachfolgen und selbst zu Dienern Gottes werden. Was gibt es größeres zu erreichen?

     

    Amen

     

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  • add 28.03.2021: Predigt von Pfr. Lukas Frei über Hebräer 12,1-3 zu Palmsonntag 2021

    Predigt als PDF 569KB

    Hoffnung über den Horizont hinaus

    1 Darum auch wir: Weil wir eine solche Wolke von Zeugen um uns haben, lasst uns ablegen alles, was uns beschwert, und die Sünde, die uns umstrickt. Lasst uns laufen mit Geduld in dem Kampf, der uns bestimmt ist, 2 und aufsehen zu Jesus, dem Anfänger und Vollender des Glaubens, der, obwohl er hätte Freude haben können, das Kreuz erduldete und die Schande gering achtete und sich gesetzt hat zur Rechten des Thrones Gottes. 3 Gedenkt an den, der so viel Widerspruch gegen sich von den Sündern erduldet hat, dass ihr nicht matt werdet und den Mut nicht sinken lasst. (Hebräer 12,1-3)

     

    Der Hebräerbrief ist geschrieben an Christen, für die klar war: Wenn es irgendwelche Schwierigkeiten im Staat oder in der Wirtschaft gibt, dann müssen wir als Sündenböcke herhalten. Dann geht es wieder los mit Enteignung, Verbannung, Gefängnis oder gar Tod in der Arena.

     

    Dabei haben diese frühen Christen nicht darauf gewartet, endlich als Märtyrer sterben zu dürfen. Sie haben genauso gern gelebt wie wir und hatten genauso Angst wie wir.

     

    Schon einige Zeit wurde der Druck immer größer, sodass immer mehr Christen den Druck nicht mehr ausgehalten haben. Das ständige schwimmen gegen den Strom führte irgendwann dazu, dass auf einmal erst heimlich, dann immer offener in den Gemeinden gesagt wurde: „Wäre es nicht besser, den Glauben an Jesus Christus als den Herrn über Leben und Tod aufzugeben und einfach genauso zu leben wie alle anderen? – Die leben doch auch nicht schlechter als wir.“

     

    Die Folgen des Drucks und der Angst waren spürbar: es sind weniger Leute in den Gottesdienst gekommen, weniger Kinder getauft worden. Und bei denen, die noch gekommen sind, war Ausverkaufsstimmung. Dagegen hat sich der Apostel des Hebräerbriefs gestemmt. Ja richtig gestemmt. Er hat gespürt: es steht alles auf dem Spiel.

     

     Alles, das war für ihn das Leben, getragen von der Kraft Gottes. Um den Leuten zu zeigen, was sie im Begriff sind, aufzugeben, hat er alle Beispiele zusammengesucht, die ihm eingefallen sind: Menschen, die von der Kraft Gottes getragen wurden, die gerade so durch ihr schwieriges Leben durchgekommen sind. Angefangen bei Abel, dem Bruder von Kain, über Noah, Abraham, Isaak, Jakob, Josef in Ägypten, Mose und so weiter durch die ganze Geschichte des Volkes Israel.

     

    Und dann hat er geschrieben: Weil wir eine solche Wolke von Zeugen um uns haben, lasst uns ablegen alles, was uns beschwert, und die Sünde, die uns umstrickt. Lasst uns laufen mit Geduld in dem Kampf, der uns bestimmt ist.

     

    Für den Apostel war es eine Wolke von Zeugen, so unermesslich viele, die es erlebt haben, wie Gott mit seiner Kraft das Leben der Seinen trägt. Ob er mit seiner Begeisterung die Leute in den Gemeinden mitreißen konnte?

     

    Ich habe meine Zweifel. Denn wir hören seine begeisterten Worte ja auch, von der Wolke von Zeugen für Gottes Macht. Doch wir haben ja eine andere Wolke von Zeugen um uns herum, viel näher als die biblischen Gestalten: dauerhaft laufen sie auf allen medialen Geräten hoch und runter und verkünden uns, wie gefährlich das normale Leben ist. Doch wir können ganz leicht zu Helden werden, sagen uns die neuen Zeugen: indem wir einfach ganz gemütlich in unserer freien Zeit auf dem Sofa sitzen bleiben oder unsere „systemrelevante“ Arbeit tun. Vor allem aber sollten wir uns artig an alles halten, was uns vorgeschrieben wird. So lässt es sich doch wunderbar leben – ganz ohne Gott. Brot und Spiele – dafür ist gesorgt. Die Bundesliga läuft ja schon seit Mai letzten Jahres durch jeden Lockdown weiter lockerflockig hindurch. Und an Geld zum Verteilen mangelt es scheinbar auch nicht.

     

    Warum sollen dann wir, wir wenigen, als winzige Minderheit, gegen den breiten Strom laufen -  mit Geduld in einem Kampf, der uns bestimmt ist?

     

    Was soll uns das bringen: Aufsehen zu Jesus, der obwohl er hätte Freude haben können, das Kreuz erduldete ? Wenn wir uns irgendwie vor Kampf und Kreuz drücken können – wären wir nicht blöd, das nicht zu tun? Was spricht dagegen, so bequem wie immer möglich zu leben?

     

    Das spricht dagegen, dass das bequeme Leben auf Dauer nicht wirklich attraktiv ist. Und das können wir momentan wunderbar beobachten. Es ist viel bequemer sich in seiner Jogginghose vor den PC zu setzen und ein Online-Meeting oder Heimschulunterricht zu machen. Aber ich kenne kaum noch jemanden, der das gerne tut. Es macht müde, geradezu depressiv, manchmal sogar richtig aggressiv.

     

    Ein solches Leben wird zunehmend sinnloser. Das kann doch nicht Leben sein, wie in einem goldenen Käfig zu leben – das mag sicher sein, wir haben alles, was wir an Besitz brauchen, aber es ist sinnlos. Neben dem materiellen brauchen wir unbedingt etwas anderes: Wir Menschen leben ganz wesentlich von dem, was wir noch nicht haben, von der Erwartung, von der Hoffnung.

     

    Meist nehmen wir das Gewicht der Hoffnung nur recht beschränkt wahr. Klar, wenn es uns schlecht geht, dann hoffen wir, dass es wieder besser wird. Doch in einer viel allgemeineren Weise ist die Hoffnung eine Urkraft unseres Lebens. Das zeigt sich zum Beispiel bei den Reichen, denen es ja nicht schlecht geht, denen anscheinend nichts fehlt – und doch werden nicht wenige von ihnen psychisch krank oder vergiften sich mit Drogen. Weil ihnen eben doch etwas fehlt, ohne das Menschen nicht gesund leben können.

     

    Das allerwichtigste im Leben, gleich nach dem täglichen Brot, ist ein Ziel, auf das hin wir uns ausstrecken können, zu dem hin sich ein Bogen spannt, auf das wir warten, von dem wir großes erwarten.

     

    Dieses Ziel kann nichts Kleines sein, nichts, was wir irgendwann erreicht haben oder uns kaufen können. Denn wenn wir das haben, was wir uns lange und sehnlich gewünscht haben, sind wir ja nicht zufrieden. Und auch die Angst verschwindet nicht.

     

    Mich hat es erschüttert als ich neulich mit jemandem gesprochen habe, der nun schon seine zweite Impfung bekommen hatte. Ich fragte, ob denn jetzt die Angst vor einer Erkrankung kleiner geworden sei. Die Antwort war: Nein. Ich habe das schon im letzten Jahr geahnt, dass es so kommen würde. Alle äußerlichen Zeichen der Sicherheit geben keinen innerlichen Halt. Die Impfung ist letztlich nichts anderes als ein Ziel, auf das man hoffen konnte und das wir irgendwann erreicht haben würden. Vielleicht verschwindet bei manchen die Angst dann tatsächlich für kurze Zeit. Doch sobald von der nächsten Doppelmutante gesprochen wird ist die Angst wieder da.

     

    Das Ziel, von dem wir wirklich leben können, muss hinter dem Horizont dieser Welt liegen. Nur mit so einem ganz großen Ziel können wir gesund bleiben oder gesund werden an unserer Seele. Nur so bekommen wir einen Halt von innen heraus, der mit Hoffnung statt mit Angst gefüllt wird.

     

    Weil wir eine solche Wolke von Zeugen um uns haben, lasst uns ablegen alles, was uns beschwert, und die Sünde, die uns umstrickt. Lasst uns laufen mit Geduld in dem Kampf, der uns bestimmt ist, und aufsehen zu Jesus, dem Anfänger und Vollender des Glaubens, der, obwohl er hätte Freude haben können, das Kreuz erduldete und die Schande gering achtete und sich gesetzt hat zur Rechten des Thrones Gottes. Gedenkt an den, der so viel Widerspruch gegen sich von den Sündern erduldet hat, dass ihr nicht matt werdet und den Mut nicht sinken lasst.

     

    Jesus hat gezeigt, wie sinnvolles Leben aussieht. Denn er hat auf das Ziel hingelebt, das sich nicht überholt, das nicht ersetzt werden braucht, durch immer wieder ein neues Ziel, sondern das die Qualität des Ewigen hat: er hat auf das Ziel hingelebt ein Kind Gottes zu sein.

     

    So auch wir: dieses Ziel füllt unser Leben wahrhaftig aus. Mit dem Blick auf das Ewige verliert das, was uns in dieser Welt erschrecken will, an Bedeutung. Wir schauen dahinter. Oder besser: wir hoffen dahinter. Die Hoffnung endet nicht im menschenmöglichen und einem möglichst langen biologischen Leben. Sie geht weit darüber hinaus, auf etwas das wir nicht sehen. Woran wir aber nicht zweifeln, dass es uns gilt. Es ist eine feste Zuversicht eines Lebens als Kind Gottes, berufen durch Jesus Christus – das ist die Hoffnung, die Jesus nicht hat zurückschrecken lassen vor allen Anfeindungen und allem Leid.

     

    Etliche seiner Jünger seit 2000 Jahren (und auch schon vor ihm) gehen in diesem Vertrauen durchs Leben. Von der Welt, die diesen Glauben nicht hat – gefangen in ihrer Angst – werden sie gedemütigt, diffamiert, geschlagen und verfolgt, so wie Christus. Aber niemals werden seine Jünger ihr Ziel und ihre Hoffnung aus den Augen verlieren, wenn sie Aufsehen zu Jesus Christus, dem Anfänger und Vollender des Glaubens, dem alle Macht im Himmel und auf Erden gegeben ist.

     

    Darauf vertraue ich.

    Amen.

     

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  • add 21.03.2021. Predigt über Hiob 19 19-27 am Sonntag Judika, von Pfarrerin Ditta Grefe-Schlüntz

    Predigt als PDF

    (voraus geht die Schriftlesung aus Johannes 18, 28 – 19,5 Jesus vor Pilatus)

     

     Jesus vor Pilatus. Angeklagt. Verlassen von Freunden und Weggefährten. Verraten, verleugnet, allein. So haben wir es in der Schriftlesung gehört.

     

    Im Predigttext begegnet uns nicht jesus, sondern ein Mensch, der dafür berühmt geworden ist, die Fragen alle Fragen zu stellen: warum lässt du uns Menschen so leiden, Gott? Warum müssen wir so viel Schreckliches erleben? Warum, Gott, lässt du dies alles zu? Wir glauben an dich, Gott, und wir hoffen auf die Auferstehung und das Leben, das du uns zugesagt hast. Und wir müssen diese Hoffnung aufrechterhalten, auch wenn wir immer wieder das Gegenteil erleben: Sterben und Tod und entsetzliche Trauer und Angst. Womit habe ich, haben wir das alles verdient?

     

    Hiob stellt diese Fragen aller Fragen stellvertretend für alle Menschen. Der Predigttext zeigt uns Hiob – verlassen von Freunden und Weggefährten. Verraten. Allein. Auch Hiob steht da wie vor Gericht, verurteilt zu einem zertrümmerten Leben. In seinen Worten verwandelt er sich vom Verurteilten zum Ankläger. Er klagt Gott an, der ihm dunkel und unverständlich scheint. Seine Freunde versuchen, Gott zu verteidigen und Hiobs Schicksal zu erklären. Du hast das sicherlich durch irgendetwas verdient, was Gott dir schickt. Der Grund für all das, was du erleidest, liegt ganz bestimmt irgendwo in deinem Leben, in deinem Tun oder Denken.

     

    Aber Hiob weiß bis in sein Innterstes, dass das nicht stimmt. Er weiß bis in sein Innerstes, dass es da keine Logik und keinen Zusammenhang gibt. Er weiß es, und seine Anklage richtet sich an Gott, den Allmächtigen, an Gott, der ihn leiden lässt, an Gott, der das ändern könnte und es doch nicht tut, an Gott, der ihm, dem verzweifelten Hiob, so entsetzlich grausam gegenübersteht. Hören wir einmal auf Hiob, ich lese aus Kapitel 19, die Verse 19-27, ein Teil aus der Antwort, die Hiob seinen Freunden gibt.

     

    Alle meine Getreuen verabscheuen mich, und die ich liebhatte, haben sich gegen mich gewandt. Mein Gebein hängt nur noch an Haut und Fleisch. Und nur das nackte Leben brachte ich davon. Erbarmt euch über mich, erbarmt euch, ihr meine Freunde; denn die Hand Gottes hat mich getroffen! Warum verfolgt ihr mich wie Gott und könnt nicht satt werden von meinem Fleisch? Ach, dass meine Reden aufgeschrieben würden! Ach, dass sie aufgezeichnet würden als Inschrift, mit einem eisernen Griffel und mit Blei für immer in einen Felsen gehauen! Aber ich weiß, dass mein Erlöserlebt, und als der Letzte wird er über dem Staub sich erheben. Nachdem meine Haut noch so zerschlagen ist, werde ich doch ohne mein Fleisch Gott sehen. Ich selbst werde ihn sehen, meine Augen werden ihn schauen und kein Fremder. Danach sehnt sich mein Herz in meiner Brust.

     

    Erbarmt euch über mich! Ruft Hiob seinen Freunden zu. Verfolgt ihr mich nicht auch noch, wie Gott es schon tut! Beteiligt euch nicht an der Grausamkeit Gottes! Hiob hält es für möglich, dass seine Freunde menschlicher mit ihm umgehen als dieser unverständliche dunkle Gott. Dies alles zeigt das Ausmaß von Hiobs Verzweiflung. Außerdem möchte er das, was er sagt, das, was wahr ist, in Stein meißeln, damit es gesichert ist für die Zukunft, damit seine Worte nicht verloren gehen, nicht untergehen in der Ignoranz der Welt. Er möchte es in Stein meißeln, was er bis in sein Innerstes weiß: dass es keinen Grund und keine Ursache für dieses Unrecht und dieses Leiden gibt, das ihn getroffen hat. Dass er in diesem Sinne unschuldig ist. Dass diese Ursache also in Gott liegen muss.

     

    Seht, welch ein Mensch.

     

    Hiob, allein und verzweifelt.

     

    Aber nicht gebrochen. Denn auf einmal kommt die Wende. „Aber ich weiß, dass mein Erlöser lebt, und als der Letzte wird er über dem Staub sich erheben.“ Auf einmal Gewissheit und Klarheit. Auf einmal Hoffnung und Vertrauen. „Aber ich weiß, dass mein Erlöser lebt, und als der Letzt wird er über dem Staub sich erheben.“ Hiob, allein, verurteilt, steht da vor Gott im Staub seiner Verzweiflung. Und erinnert uns leise an den König der Juden, der allein, verurteilt, vor dem schreienden Volk steht, mit Dornenkrone und Purpurmantel, aber nicht gebrochen.

     

    Seht, welch ein Mensch.

     

    „Aber ich weiß, dass mein Erlöser lebt, und als der Letzte wird er über dem Staub sich erheben.“ Woher nimmt Hiob plötzlich diese Gewissheit? Wie kommt er mitten in der Klage zur Hoffnung? Ist es der Mut der Verzweiflung? Ist es der letzte Strohhalm?

    Kehren wir noch einmal zurück zum Bild des Gerichts, zur Szene einer Gerichtsverhandlung. Damals gab es das Amt des Lösers, eine rechtliche Institution. Der Löser konnte einen Angeklagten loskaufen, auslösen. Das war sehr wichtig zum Beispiel dafür, dass sozial schwache Menschen nicht einfach stärkeren Mächten ausgeliefert waren, sondern würdig behandelt wurden. Es war wichtig dafür, dass es Kontinuität im gesellschaftlichen Leben gab. Die Psalmen unserer Bibel und auch das Buch Hiob übertragen dieses Auslösen, dieses Loskaufen auf Gott.

     

    „Aber ich weiß, dass mein Erlöser lebt“, sagt Hiob. Und aus Gott, dem grausamen unverständlichen fernen Richter wird Gott, der erlösende lebenschaffende Gott, barmherzig und gütig.

     

    Bei Martin Luther finden wir genau dies auch. Auch Luther stand allein und verzweifelt diesem unverständlichen Gott gegenüber. Alles, was an diesem Gott barmherzig und gütig sein sollte, war ganz und gar verborgen. Den verborgenen Gott, so nannte Luther dieses Erleben, dieses Nichtverstehen, dieses Keine-Antwort-bekommen, diesen grausamen Gott, an dem er beinahe zerbrochen wäre. Aber er entdeckte dann diesen anderen Gott, den barmherzigen und gütigen, den Gott, der Leben, der Hoffnung gab. Ohne einen Grund dafür in seinem Leben, in seinem Tun und Denken vorlegen zu müssen. Den Gott, der sich nicht abwendete von ihm, sondern der zugewandt war, freundlich und gut. Den offenbaren Gott, der sich in Jesus Christus zeigt, der Menschen heilt und in Gemeinschaft holt, der Leben will und Gerechtigkeit und Frieden.

     

    Verborgener und offenbarer Gott. Beide hatte Martin Luther kennen gelernt. Und er hat sich darin geübt, diesem Widerspruch so zu begegnen: Wenn er es mit dem verborgenen Gott zu tun hatte und er in der Verzweiflung unterzugehen drohte, dann hatte er sich den offenbaren Gott in Erinnerung gerufen und sich an ihm festgehalten. Hat sich die Texte und Liedstrophen vorgesagt, die von diesem gütigen und barmherzigen Gott reden, immer und immer wieder, bis die Hoffnung und das Vertrauen trotz allem zurück kehrten und ihn wieder ruhig und getrost werden ließen.

     

    Verborgener und offenbarer Gott.

     

    „Aber ich weiß, dass mein Erlöser lebt, und als der Letze wird er aus dem Staub sich erheben.“

     

    Die dunkle Erfahrung wird uns Menschen bleiben, dass gott uns Leben und ewige Gemeinschaft fest zugesagt hat, aber Leid, Unrecht und Tod nicht aufhebt, noch nicht aufhebt. Eine Erfahrung, die schwer auszuhalten ist und die wir doch immer wieder aushalten müssen. Hiob malt uns diese Lage ungeschminkt und realistisch vor Augen. Und so besteht er darauf, sich vor diesem Thema nicht zu scheuen, es nicht zu überspielen oder kleinzureden. Und so ist Hiob zwar das Bild des leidenden Menschen überhaupt. Er stellt bohrende Fragen nach Gottes Gerechtigkeit, danach, warum unschuldige Menschen Leid erleben. Aber er ist nicht gebrochen. Er hält sein Leid aus. Er hält es aus, dass Gott nicht antwortet. Das kommt mir unglaublich stark vor. Noch stärker finde ich aber, dass er wohl bis in sein Innerstes weiß, dass dieses Leid nicht für immer bleiben wird. Er weigert sich, anzunehmen, dass das Urteil endgültig sein wird. Er weiß, er wird es überwinden. Irgendwann. „Ich weiß, dass mein Erlöser lebt, und als der Letzte wird er aus dem Staub sich erheben“  Nachdem meine Haut noch so zerschlagen ist, werde ich doch ohne mein Fleisch Gott sehen. Ich selbst werde ihn sehen, meine Augen werden ihn schauen und kein Fremder. Danach sehnt sich mein Herz in meiner Brust.

     

    Seht, welch ein Mensch.

     

    Amen.

  • add 14.03.2021: Predigt über Joh 12,20-27 von Pfr. Lukas Frei (14.03.2021 – Lätare)

    Predigt als PDF 607KB

    20 Es waren aber einige Griechen unter denen, die heraufgekommen waren, um anzubeten auf dem Fest. 21 Die traten zu Philippus, der aus Betsaida in Galiläa war, und baten ihn und sprachen: Herr, wir wollen Jesus sehen. 22 Philippus kommt und sagt es Andreas, und Andreas und Philippus sagen's Jesus. 23 Jesus aber antwortete ihnen und sprach: Die Stunde ist gekommen, dass der Menschensohn verherrlicht werde. 24 Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht. 25 Wer sein Leben lieb hat, der verliert es; und wer sein Leben auf dieser Welt hasst, der wird's bewahren zum ewigen Leben. 26 Wer mir dienen will, der folge mir nach; und wo ich bin, da soll mein Diener auch sein. Und wer mir dienen wird, den wird mein Vater ehren. 27 Jetzt ist meine Seele voll Unruhe. Und was soll ich sagen? Vater, hilf mir aus dieser Stunde? Doch darum bin ich in diese Stunde gekommen.  Joh 12,20-27

     

    In unserer Geschichte, die wir gerade gehört haben, stehen wir kurz vor den Feierlichkeiten des Passahfestes, weshalb viele Pilger nach Jerusalem gekommen waren. Auch Griechen – also Heiden – waren gekommen um dieses Fest mitzufeiern. Diese Griechen hatten von Jesus gehört – ein außergewöhnlicher Jude der große Wunder tat und von dem das einfache Volk begeistert war, während die Jerusalemer Führungsschicht in Jesus eine Gefahr sah. Schließlich brachte er eine neue Lehre und stellte damit ihre Macht in Frage.

     

    Die Griechen kamen nun leider an Jesus nicht ran, weil sie im Vorhof der Heiden bleiben mussten. In das eigentliche Tempelareal durften sie nicht hineingehen – das war nur Juden erlaubt. Doch irgendwie trafen die pilgernden Griechen auf Philippus. Der war ein Jünger von Jesus und hatte dazu noch einen griechisch klingenden Namen. Wer weiß, vielleicht konnte er auch ganz gut griechisch. Sie baten ihn darum, Jesus sehen zu dürfen. Philippus ging daraufhin zu Andreas und die beiden sagten es dann Jesus. Und dann kommt die Antwort von Jesus, vollmächtige und schwer zu verstehende Sätze, die für sich ganz alleine stehen könnten.

     

    Warum wird uns aber diese Einleitung mit den Griechen, die Jesus sehen wollen davor erzählt? Die Griechen können nicht so einfach zu Jesus kommen. Da ist eine Mauer, die sie von Jesus trennt. Es ist eine religiös gebaute Mauer, die ganz klar einteilt. Hier darf ein Jude rein, aber kein Heide. Die Einteilung in Jude oder Heide betraf natürlich nicht nur den Tempel. Sie betraf das ganze Leben. Man machte sich zum Beispiel unrein, wenn man das Haus eines Heiden betrat. Es war zwar nicht unmöglich, aber man musste danach in eine Art von Quarantäne. Klar, dass man dem lieber aus dem Weg ging – wer will schon freiwillig in Quarantäne gehen. Das war damals nicht anders als heute.

     

    Es wäre aber zu einfach, wenn wir sagen würden: solche Einteilungen geschehen nur aufgrund von religiösen Überzeugungen. Nein, jedes Machtsystem, egal ob politisch-ideologisch oder religiös strukturiert, teilt Menschen in unterschiedliche Klassen ein.

     

    Das gilt auch für unsere Demokratie. Es gibt auch bei uns klare Vorstellungen, welche Menschen die „Reinen“ und welche die „Unreinen“ sind. Das macht man heute nicht mehr an der Religion oder der Rasse fest, sondern an der politischen Einstellung. Auf der Suche nach einem Beispiel sind mir die Demonstrationen im vergangenen Jahr eingefallen: über diese Demonstrationen wurde in den Medien häufig berichtet, dass „Rechte“ mitmarschieren. Wer eine „rechte“ Einstellung hat oder bei wem sie vermutet wird, gilt in unserer Gesellschaft sozusagen als „unrein“. Auch wenn es nur sehr wenige waren, die man bei diesen Demonstrationen überhaupt finden konnte, die diesem Lager angehörten, so hat es doch dem öffentlichen Bild genügt, alle Demonstranten als „unrein“ zu bezeichnen. Schließlich durften die „Unreinen“ ja mitmarschieren. Und wie bei der religiösen Kontaktschuld genügten auch hier Wenige um alle zu „verunreinigen“.

     

    Scheinbar ist dieses Denken in uns Menschen stark verwurzelt. Damit ein System bestehen kann braucht es eine Grenze. Es braucht ein Innen und ein Außen. Ja, es braucht sogar Feinde, die nicht dazugehören. Dieses Denken scheinen die Menschen schon seit Jahrtausenden mit sich zu tragen. Und es wäre ziemlich naiv zu glauben, dass die Menschen heute besser oder freundlicher sind, als die Menschen vor 2000 Jahren.

     

    Mauern, um einzuteilen und zu trennen gab es also schon immer und es werden immer wieder Neue gebaut werden. Doch Jesus setzt nicht bei diesen großen Mauern an, sondern bei uns selbst und den Mauern, die wir zwischen uns und unserem Nächsten aufbauen.

     

    Der größte Feind, den wir uns denken können ist der Tod. Schließlich kann mit ihm auch am meisten menschliche Macht ausgeübt werden. Wer jemand mit dem Tod bedroht, hat ihn in der Hand. Doch Gott war in Christus, um dem Tod die Macht zu nehmen und das Leben und ein unvergängliches Wesen ans Licht zu bringen. Darum sagt Jesus, dass jetzt die Stunde kommt, an dem er verherrlicht werden wird. Doch dann kommt ein weiterer Satz, und dieser Satz betrifft nicht nur das Sterben am Ende des Lebens (wann auch immer das ist), sondern auch das Sterben im Leben.

     

    Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht.

     

    Wenn ein Weizenkorn an einem trockenen Ort liegen gelassen wird, passiert nichts. Erst wenn das Weizenkorn mit dem Erdboden in Berührung kommt und Wind und Wetter ausgesetzt ist, seine Schale aufweicht und es stirbt – dann entsteht etwas Neues, was letztlich viel Frucht bringt.

     

    Das Weizenkorn hat, wie jedes Samenkorn, eine Schale. Sie ist wie eine Mauer, die das Samenkorn schützt. Doch wenn das Samenkorn nicht in Berührung mit der Erde und dem Wasser kommt, und die Schale sich nicht langsam auflöst, dann bleibt es allein. Die Schale, der Schutz, verhindert das Leben.

     

    Schutz – der Schutz des Lebens, dem Geben wir unserem Leben einen sehr hohen Stellenwert. Andere zu beschützen vor den Gefahren, die sie treffen können, erfüllt unser Leben mit Sinn. Mit der Begründung Menschen schützen zu müssen, wurden im vergangenen und auch dem neuen Jahrhundert die meisten Kriege geführt. Weil wir schützen wollen, deshalb setzen wir der Freiheit und dem unbeschwerten Leben in dieser Zeit Grenzen.

     

    Doch jetzt bin ich wieder im Großen – bleiben wir im Kleinen. Wir müssen uns ja schützen. Das lernen wir von klein auf. Ein Beispiel: Ein Kind hat etwas gemacht ohne darüber nachzudenken, welche Folgen das haben könnte. Es zeigt ganz stolz, wie es mit der Schere seine Haare selbst geschnitten hat. Die Eltern sind völlig aufgelöst und bestürzt über die Tat des Kindes. Das Kind versteht die Aufregung nicht, aber es will die Eltern nicht wütend sehen. Es wird in Zukunft vorsichtiger sein und nicht alle Taten den Eltern zeigen. Wer weiß, ob sie schimpfen?

     

    So gibt es viele Erfahrungen in unserem Leben, die dazu führen, dass wir eine innere Schutzmauer bauen, um uns vor seelischen Verletzungen zu schützen. Freundschaft wiederum entsteht, wenn sich durch die immer wiederkehrende Begegnung diese Schutzmauer langsam auflöst und ich meinem Gegenüber vertrauen kann. Freundschaft geht aber noch weiter. Für meinen Freund bin ich bereit etwas von meinem Leben loszulassen – ich muss es tun: mein Freund ist nicht ich und er lebt anders. Gemeinschaft ist nur möglich, wenn sich die Freunde aufeinander einlassen.

     

    Nur wenn wir uns begegnen und wir uns auf den anderen einlassen und ersterben, dann bleiben wir nicht allein. Leben entsteht, wenn wir nicht den Schutz an oberster Stelle setzen. Es heißt ja nicht: „Schütze deinen Nächsten wie dich selbst“, sondern „liebe deinen Nächsten wie dich selbst.“

     

    In diesem Sinne verstehe ich auch den Satz, den Jesus direkt danach sagt: Wer sein Leben lieb hat, der verliert es; und wer sein Leben auf dieser Welt hasst, der wird's bewahren zum ewigen Leben.

     

    Wer sein Leben bewahren und beschützen will, weil er es liebt, wird es verlieren. Er bleibt allein. Wer es hasst – den Schutz des Lebens eben nicht an oberste Stelle setzt – der wird es bewahren zum ewigen Leben. Und ewiges Leben bedeutet von der Fülle Gottes etwas erleben: Freundschaft, Liebe, Freude, Gesang, Feiern – das gibt es jetzt und über unser Sterben hinaus.

     

    Wer sein Leben lieb hat, der verliert es; und wer sein Leben auf dieser Welt hasst, der wird's bewahren zum ewigen Leben. Heißt das jetzt, dass wir keine Christen sind, wenn uns das schwer fällt und wir die Angst vor Verletzung und Tod nicht einfach abschütteln können? Nein – Jesus hat diese Sätze nicht gesagt, um uns wieder eine neue Möglichkeit zu geben, Menschen einteilen zu können. Es ist sein Wort, dass sich als wahr erweisen wird zu der Zeit, in der er es in uns zum Wachsen bringen wird.

     

    Es wird uns trösten und ermutigen, wenn seine Zeit gekommen ist. Unsere Aufgabe ist es, dieses Wort zu predigen und zu verbreiten.

     

    Und jetzt? Wie können wir weitermachen? Kleine Schritte müssen wir wieder wagen. Es hilft uns dabei, wenn wir uns klar machen, was Gott uns durch sein Wort verheißen hat und wir diesem Wort glauben: „Der HERR ist mein Schutz, mein Gott ist der Hort meiner Zuversicht.“ (Ps 94,22). Um den Schutz unseres Lebens kümmert sich Gott und deshalb dürfen wir frei leben und etwas wagen. Wir dürfen und sollen kleine Schritte machen.

     

    Den größten Schritt ist uns Jesus vorausgegangen. Er ist auch vor dem Tod nicht zurückgeschreckt. Nicht weil er so mutig war – auch er sagt: „Jetzt ist meine Seele voll Unruhe. Und was soll ich sagen? Vater hilf mir aus dieser Stunde? Doch darum bin ich in diese Stunde gekommen.“ Er ist diesen Weg für uns gegangen – damit wir es glauben können: „wenn das Weizenkorn erstirbt, bringt es viel Frucht.“ Das gilt für unser Leben und unser Sterben. Wir bleiben in Gottes Machtbereich.

     

    So lädt Jesus uns ein, ihm nachzufolgen: Wer mir dienen will, der folge mir nach; und wo ich bin, da soll mein Diener auch sein. Und wer mir dienen wird, den wird mein Vater ehren.

     

    Probieren wir es aus. Kleine Schritte, raus aus dem Schutz der ins Alleinsein und den sozialen Tod führt, hinein ins Leben. Jesus lässt uns gewiss nicht alleine. Mit ihm können wir die Mauern unserer Angst überwinden und es wird neues Leben entstehen.

     

    Amen

     

    Zu diesem Predigttext und den Gedanken finde ich das Lied „Herr, deine Liebe ist wie Gras und Ufer“ sehr passend. Sie können es beten oder singen.

    1. Herr, deine Liebe ist wie Gras und Ufer, wie Wind und Weite und wie ein Zuhaus.

    Frei sind wir, da zu wohnen und zu gehen. Frei sind wir, ja zu sagen oder nein.

    Kehrvers

    Herr, deine Liebe ist wie Gras und Ufer, wie Wind und Weite und wie ein Zuhaus.

    2. Wir wollen Freiheit, um uns selbst zu finden, Freiheit, aus der man etwas machen kann.

    Freiheit, die auch noch offen ist für Träume, wo Baum und Blume Wurzeln schlagen kann.

    3. Und dennoch sind da Mauern zwischen Menschen, und nur durch Gitter sehen wir uns an.

    Unser versklavtes Ich ist ein Gefängnis und ist gebaut aus Steinen unsrer Angst.

    4. Herr, du bist Richter! Du nur kannst befreien, wenn du uns freisprichst, dann ist Freiheit da.

    Freiheit, sie gilt für Menschen, Völker, Rassen, so weit, wie deine Liebe uns ergreift.

     

    Text: Ernst Hansen 1970 nach dem schwedischen »Guds kärlek är som stranden och som gräset« von Anders Frostenson 1968 (nach Nr. 360) Melodie: Lars Åke Lundberg 1968

  • add 7.03.2021: Predigt zum Sonntag Oculi, 7.3.2021, über Epheser 5, 1-2.8-9 von Pfarrerin Ditta Grefe-Schlüntz

    Predigt als PDF 291KB

     

    Nicht geschickt für das Reich Gottes.

    Sind Ihnen diese Worte auch im Ohr hängen geblieben? Nicht geschickt für das Reich Gottes ist der, der sich noch die Zeit nehmen möchte, den Vater, die Heimat, die eigenen Wurzeln ernst zu nehmen, sich ihrer zu vergewissern, den Schmerz der Trauer zuzulassen. Den Vater begraben. Ist es nicht das, was wir sehr wichtig finden? Ist es nicht unsere Pflicht? Und nun heißt es, dieser ist nicht geschickt für das Reich Gottes.

     

    Nicht geschickt für das Reich Gottes ist auch der, der Abschied nehmen möchte. Abschied von den Seinen, ihnen sagen möchte, dass sie ihm wichtig sind, dass sie ihm fehlen werden. Ist das nicht das mindeste, was man tun möchte, und was man tun sollte? Wird man nicht schuldig an denen, die man liebt, wenn man das nicht tut? Nicht geschickt für das Reich Gottes.

     

    Wenn ich das höre, dann ist das wohl so: auch ich bin nicht geschickt für das Reich Gottes. Ich wäre nicht bereit, nein, ich bin nicht bereit, all das zu lassen, was mir wichtig ist, was mein Leben ausmacht. Nein, ich bin nicht bereit, auf das zu verzichten, denn es ist doch mein Leben. All das links liegen zu lassen für Gottes Reich? Das kann ich nicht.

     

    So weit zur Schriftlesung. Schauen wir mal, was der Predigttext sagt. Es ist ein Abschnitt aus dem Epheserbrief, ich lese aus Kapitel 5, die Verse 1-2, dann werden einige Verse ausgelassen, dann kommen die Verse 8-9. Hier heißt es:

     

    Ahmt Gott nach als geliebte Kinder und wandelt in der Liebe, wie auch Christus uns geliebt hat und hat sich selbst für uns gegeben als Gabe und Opfer, Gott zu einem lieblichen Geruch. Denn ihr wart früher Finsternis; nun aber seid ihr Licht in dem Herrn. Wandelt als Kinder des Lichts; die Frucht des Lichts ist lauter Güte und Gerechtigkeit und Wahrheit.

     

    Ahmt Gott nach! – So beginnt der Predigttext. Die Latte des Anspruchs wird mit diesen Worten unglaublich hoch. Ahmt Gott nach! Um Himmels Willen. Ich bin doch nur ein Mensch, wie soll das gehen.

     

    Nicht geschickt für das Reich Gottes.

    Im ersten Moment sehe ich im Predigttext sehr viele unausgesprochene Ausrufezeichen, also Apelle, Forderungen, Ansprüche. So viele, dass ich mich verzagt zurücklehne und das Gefühl habe, nicht zu genügen. Überhaupt nicht zu genügen. Hänge nicht an deinem Leben. Ahme Gott nach. Sei ein Kind des Lichts! Bei diesen vielen Ausrufezeichen merke ich: ich hänge so sehr an meinem Leben, und ich wüsste nichts zu nennen, womit ich Gott nachgeahmt haben könnte.

     

    Ich lehne mich in meinem Schreibtischstuhl zurück. Und mir fällt all das ein, was mir Tag für Tag nicht gut gelingt. Die allermeisten Vorsätze fürs neue Jahr sind schon, bevor der dritte Monat des Jahres begonnen hat, unter dem Vielerlei des Alltagsgeschäfts begraben. Ich fühle mich ziemlich durchschnittlich und – ja, irgendwie nicht geschickt für das Reich Gottes.

     

    Wieder frage ich mich: wo steckt denn das Evangelium, die gute Botschaft, in diesen Worten? Dass alles darin seinen Sinn hat, dass wir in der Selbstkritik versinken, das kann nicht sein.

     

    Ich lese noch einmal. Und mir fällt ein, dass man sagt, dass der Epheserbrief nach dem Tod des Apostels Paulus geschrieben wurde. Dass er sozusagen das Vermächtnis des Paulus sei, in dem die Theologie des Paulus nochmals richtig kompakt und zusammengefasst dargestellt wird.

     

    Wenn das so ist, dann muss etwas anderes in diesen Worten und Ausrufezeichen stecken, als ich es bisher gehört und gelesen habe. Denn Paulus ist ja nun wirklich der, der ganz genau weiß und es auch immer wieder sagt: glaubt nicht, dass ihr euch aus eurem eigenen Tun heraus zu gerechten Menschen machen könnt. Dass ihr euch selbst zu Menschen machen könnt, die von sich sagen können, sie seien geschickt für das Reich Gottes.

     

    Ahmt Gott nach als geliebte Kinder und wandelt in der Liebe, wie auch Christus uns geliebt hat und hat sich selbst für uns gegeben als Gabe und Opfer, Gott zu einem lieblichen Geruch. Denn ihr wart früher Finsternis, nun aber seid ihr Licht in dem Herrn. Wandelt als Kinder des Lichts, die Frucht des Lichts ist lauter Güte und Gerechtigkeit und Wahrheit.

     

    Erst jetzt merke ich, dass da noch ein anderer Ton mitschwingt. Früher wart ihr Finsternis, jetzt seid ihr Licht. In dem Herrn. Wandelt als Kinder des Lichts, die Frucht des Lichts ist lauter Güte und Gerechtigkeit und Wahrheit.

     

    Da steht nicht: werdet Kinder des Lichts! Da steht vielmehr: ihr seid schon längst Kinder des Lichts. Ihr müsst gar nichts tun oder schaffen, ihr seid es schon längst. Ihr seid Gottes Heilige, ihr seid Kinder des Lichts. Ihr müsst euch nicht auf eine bestimmte Art und Weise verhalten, es muss euch nichts gelingen. Es ist, wie Paulus schon immer gesagt hat: glaubt nicht, dass ihr euch aus eurem eigenen Tun heraus zu gerechten Menschen machen könnt.

     

    Denn wir sind es schon längst. Durch Gottes Zuwendung. Durch Gottes Liebe sind wir es schon längst. Kinder des Lichts. Ahmt Gott nach als geliebte Kinder und wandelt in der Liebe, wie auch Christus uns geliebt hat und hat sich selbst für uns gegeben als Gabe. Wir sind schon geliebte Kinder Gottes. Christus hat uns geliebt und hat sich selbst für uns gegeben als Gabe. Es ist schon alles getan.

     

    Ja, es ist schon alles getan.

     

    Und was bleibt uns zu tun? Ahmt Gott nach. Wandelt in der Liebe. Wandelt als Kinder des Lichts. Güte, Gerechtigkeit, Wahrheit.

     

    Uns bleibt viel zu tun. Sehr viel. Aber nicht, um bei Gott einen guten Stand zu erreichen. Das geht gar nicht. Denn den haben wir schon. Sondern uns bleibt viel zu tun als Antwort. Als Antwort auf Gottes Zuwendung. Als Antwort auf sein Ja zu uns. Als Antwort darauf, dass wir längst und ohne Bedingungen Kinder des Lichts sind. Als Danksagung, sagt der Epheserbrief. Aus Dankbarkeit dieser Gabe gegenüber. Die Frucht des Lichts ist lauter Güte und Gerechtigkeit und Wahrheit. Es geht um eine Haltung. Ich bin dankbar für deine freundliche Zuwendung, Gott. Und aus Dankbarkeit und weil ich froh darüber bin, kann ich die Arme ausbreiten und auf die Menschen in der Welt zugehen, ihnen von deiner Freundlichkeit weiterzugeben. Güte verbreiten, ja, und Gerechtigkeit und Wahrheit. Not lindern, wo es mir möglich ist. Hilfe anbieten denen, die sie benötigen. Unrecht beim Namen nennen und etwas dagegen tun. Solidarität aufbauen, mich an die Seite derer stellen, die am Rand stehen. Dies alles gerne tun, weil ich froh bin und dankbar.

     

    Und das sage ich schon immer. Dankbarkeit, das ist eine Lebenseinstellung, die die Resilienz stärken, , also die psychische Widerstandskraft. Wenn man in einer Situation immer das Gute sehen kann, oder sie so sehen kann, dass sie auch etwas Gutes hat, dann kommt man mit dem Leben, wie es ist, ganz gut zurecht. Dankbarkeit ist also eine gesunde Lebenseinstellung. Wer das Gute sehen kann, kann leichter lächeln und den anderen anschauen. Wer dankbar und froh sein kann, hat leuchtende Augen. Er strahlt etwas aus. Und da sind wir doch auf dem Weg, wir Kinder des Lichts. Wir sollten doch vielleicht so etwas ausstrahlen, und andere damit anstecken. Mit dieser frohen Dankbarkeit, und damit, sich dem anderen zuzuwenden. Die Frucht des Lichts ist lauter Güte und Gerechtigkeit und Wahrheit. Es ist eine Reaktion, wenn wir Gott nachahmen in seiner Güte, in seiner Gerechtigkeit, und Wahrheit. Es ist eine Reaktion, eine Antwort. Eine Antwort, dass wir Kinder des Lichts sind.

     

    Amen. 

  • add 28.02.2021: Predigt von Pfr. Lukas Frei über Jesaja 5,1-7 am Sonntag Reminiszere

    Predigt als PDF 662KB

     

    Eins vorab: Ich suche mir die Predigttexte nicht aus. Für diesen Sonntag ist es mal wieder eine Stelle aus dem Propheten Jesaja. Es wäre natürlich schön, wenn ich einen Text bekommen hätte, der voller guter Nachrichten steckt. Davon gibt es im Jesaja ja einige, aber der heutige Text endet noch nicht einmal mit einer frohen Botschaft:

    1 Wohlan, ich will von meinem lieben Freunde singen, ein Lied von meinem Freund und seinem Weinberg. Mein Freund hatte einen Weinberg auf einer fetten Höhe. 2 Und er grub ihn um und entsteinte ihn und pflanzte darin edle Reben. Er baute auch einen Turm darin und grub eine Kelter und wartete darauf, dass er gute Trauben brächte; aber er brachte schlechte. 3 Nun richtet, ihr Bürger zu Jerusalem und ihr Männer Judas, zwischen mir und meinem Weinberg! 4 Was sollte man noch mehr tun an meinem Weinberg, das ich nicht getan habe an ihm? Warum hat er denn schlechte Trauben gebracht, während ich darauf wartete, dass er gute brächte? 5 Wohlan, ich will euch zeigen, was ich mit meinem Weinberg tun will! Sein Zaun soll weggenommen werden, dass er kahl gefressen werde, und seine Mauer soll eingerissen werden, dass er zertreten werde. 6 Ich will ihn wüst liegen lassen, dass er nicht beschnitten noch gehackt werde, sondern Disteln und Dornen darauf wachsen, und will den Wolken gebieten, dass sie nicht darauf regnen. 7 Des HERRN Zebaoth Weinberg aber ist das Haus Israel und die Männer Judas seine Pflanzung, an der sein Herz hing. Er wartete auf Rechtsspruch, siehe, da war Rechtsbruch, auf Gerechtigkeit, siehe, da war Geschrei über Schlechtigkeit.

    Nun ja – man könnte den Text natürlich gut in der Klimadebatte anführen und deuten: Gott hat die Welt wunderschön gemacht, aber der Mensch macht alles kaputt – ganz besonders die Natur. Die Strafe, die hier angekündigt wird, das sind die Folgen des Klimawandels, die der Mensch nun zu tragen hat. Wenn wir nochmals rauskommen wollen aus der Misere, dann müssen wir uns für Klimagerechtigkeit einsetzen. Die gute Nachricht in diesem Bibeltext wäre dann: die nahende Apokalypse können wir noch verhindern, wenn wir jetzt handeln: Müll trennen, vegan leben, CO2 reduzieren, nur noch Elektroautos, … .

    Aber: Nein – ich finde, das ist keine gute Nachricht. Dahinter steckt ja die Idee, der Weinberg könnte, sich selbst überlassen, es schaffen, sich an den eigenen Haaren aus dem Dreck zu ziehen. Oder umgedeutet: wir Menschen können, wenn wir das apokalyptische Angstszenario nur genug verinnerlicht haben, in besonnener Überlegung die richtigen Lösungen finden und das komplexe System der Erde zum Guten verändern. Mit solchen Mitteln lassen sich wahrscheinlich gute Geschäfte machen, aber die Seele findet dadurch keine Ruhe und der Erde wird dadurch auch nicht geholfen.

    Und doch: in diesem Text steckt für mich gute Nachricht. Sie ist vielleicht nicht auf den ersten Blick zu sehen.

     

    1 Wohlan, ich will von meinem lieben Freunde singen, ein Lied von meinem Freund und seinem Weinberg. Mein Freund hatte einen Weinberg auf einer fetten Höhe. 2 Und er grub ihn um und entsteinte ihn und pflanzte darin edle Reben. Er baute auch einen Turm darin und grub eine Kelter und wartete darauf, dass er gute Trauben brächte;

    Ein Lied von seinem Freund und dessen Weinberg singt der Prophet. Erst mit Vers 7 wird klar, dass mit dem Freund Gott gemeint ist und mit dem Weinberg sein auserwähltes Volk. Somit kann man das ganze Weinberglied in dieser Interpretationsvorlage lesen. Sein Freund, der allmächtige Gott pflanzt seinen Weinberg, wo er möchte. Gott entscheidet wo wir Menschen leben – ja noch mehr: er kümmert sich darum, dass wir gut leben können. Auf einen fetten Boden hat er seinen Weinberg gepflanzt. Davor hat er den Boden entsteint und ihn umgegraben. Er legt die Grundlagen, dass wir gut leben können. Das ist für mich eine gute Nachricht.

    Ich höre häufig aber auch eine andere: nämlich, dass wir uns unseren Wohlstand selbst erarbeitet hätten. Dass es uns so gut geht, dafür werden unterschiedliche Gründe genannt, vielleicht besonders häufig: unsere Demokratie, unser technischer und medizinischer Fortschritt, und natürlich unsere Arbeitsleistung. Alle drei Dinge sind wunderbar – ohne Frage – aber sind sie wirklich der Grund für unseren Wohlstand?

    Bei dieser Frage sind wir, wie so oft, wenn wir tiefer fragen, im Bereich des Glaubens angelangt. Es sind sehr viele Aspekte, die zusammenspielen mussten, damit sich unsere Gesellschaft so entwickeln konnte, wie sie sich entwickelt hat. Einzelne Aspekte besonders herauszuheben und diese verantwortlich für den Erfolg zu machen halte ich für sehr gewagt. Es wird schwierig werden, dies zu beweisen. Am Ende ist es der Glaube: entweder waren es die Menschen, die den Wohlstand geschaffen haben, oder es war Gott, der sich darum bemühte, den Weinberg umzugraben und zu entsteinen – der die Grundlage gelegt hat, dass wir uns überhaupt so entwickeln konnten und dieser Wohlstand entstand.

    In der ersten Version steckt für mich keine gute Nachricht, sondern Last. Wir Menschen müssen es richten – es lag und liegt auch weiterhin in unserer Hand wohin die Reise geht. Die zweite Version steckt für mich voller Freiheit und guter Nachricht: Gott ist die Grundlage für das, was entsteht. Wir und unser Wohlstand wachsen nur auf dem, was er zuvor schon bereitet hat. Das gilt für alles, was wir haben. Wir können uns also nicht rühmen – selbst über das nicht, was wir tolles aufgebaut haben. Aber wir können dankbar sein.

     

     

     

    Er baute auch einen Turm darin und grub eine Kelter und wartete darauf, dass er gute Trauben brächte; aber er brachte schlechte. 3 Nun richtet, ihr Bürger zu Jerusalem und ihr Männer Judas, zwischen mir und meinem Weinberg! 4 Was sollte man noch mehr tun an meinem Weinberg, das ich nicht getan habe an ihm? Warum hat er denn schlechte Trauben gebracht, während ich darauf wartete, dass er gute brächte?

    Auch hier steckt für mich eine gute Nachricht drin. Zunächst einmal aber das Erschreckende: der fette, umgepflügte und entsteinte Boden führte nicht dazu, dass die Reben gute Früchte brachten. Reichtum und Wohlstand führen nicht zum gewünschten Ergebnis. Warum ist das so? Das fragt sich der Weinbergbesitzer auch. Am Ende werden die Früchte benannt, auf die der Weinbergbesitzer wartete: Er wartete auf Rechtsspruch, siehe, da war Rechtsbruch (V. 7).

    Wie ist es mit dem Weinberg, den Gott bei uns vorfindet? Ich komme in diesen Zeiten nicht umhin, mich manchmal zu wundern. Ist es beispielsweise wirklich in Ordnung 10 Kindern das Fußballspielen auf dem Bolzplatz zu untersagen, wenn es in Artikel 2 des Grundgesetzes heißt: „Jeder hat das Recht auf die freie Entfaltung seiner Persönlichkeit, soweit er nicht die Rechte anderer verletzt“? Ehrlich gesagt, mir fällt es schwer die Rechte der anderen zu finden, die dadurch verletzt werden.

    Wenn ich mir das Grundgesetz so ansehe, denke ich, dass hier von einigen klugen Menschen – die die Natur des Menschen ganz gut verstanden hatten – versucht wurde, ein wirklich guter Baustein zu legen. Ein Grundstein, der versucht, die individuellen Rechte jedes Menschen in diesem Land zu schützen. Tatsächlich ist das leider vermutlich notwendiger, als uns lieb ist. Einfach weil wir Menschen im Fall der Fälle stark dazu tendieren, das Recht des anderen zugunsten unseres eigenen Rechtes ein bisschen weniger wichtig zu finden. Und so lange kein Rechtsspruch kommt, der uns das verbietet, machen wir auch munter so weiter.

    Nun aber zur guten Nachricht in diesen Zeilen. Gott erwartet von uns gar keine großen Taten, keine moralischen Vorbildaktionen. Die Früchte, die hier beschrieben werden sind Rechtsspruch und Gerechtigkeit. Dem anderen sein Recht zusprechen: das kann man auch im Kleinen. Das bedeutet nämlich zuallererst, dem anderen zuzuhören und seinen Weg zu respektieren. In einem ganz einfachen Satz lässt sich die gute Nachricht des Rechtsspruchs zusammenfassen: „Du bist recht.“ Kein aber und kein erst wenn – so, wie du bist, bist du in Ordnung.

    Das zweite, was daraus hervorgeht, ist Gerechtigkeit. Wir sprechen von Unrecht, wenn ein Mensch mit Gewalt zu etwas gezwungen wird, das er nicht will. Gewalt hat viele Gesichter: natürlich gibt es die körperliche Gewalt, die bei uns aber glücklicherweise sehr verpönt ist.

     

    Vielleicht genauso grausam, aber weniger offensichtlich ist die seelische Gewalt, die sich in verschiedensten Facetten zeigen kann wie Mobbing, üble Nachrede, Drohungen, Zensur (leider funktioniert das alles online noch leichter als offline), oder auch die Bedrohung der Existenz z.B. durch fehlende Erwerbseinnahmen oder völlig unverhältnismäßig hohe Geldbußen.

    Wo ich dem anderen zuhöre, seinen Weg lerne zu respektieren und nach einer Lösung trachte, wie beide Seiten gut miteinander leben können, da entsteht Gerechtigkeit. Gewalt, egal in welcher Form, wird nie zu Gerechtigkeit führen, sondern immer in Unterdrückung enden.

    Wie kommen wir aber dazu, Früchte des Rechtsspruchs und der Gerechtigkeit zu bringen? Es geht nicht aus uns selbst heraus – Gott sei Dank! Im neuen Testament sagt Jesus: „Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm der bringt viel Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun.“ (Joh 15,5). In Jesus bleiben, in seinen Worten bleiben, in seiner Liebe bleiben – in ihm, dem einzigen Weinstock, der gute Frucht bringen wird – daraus entstehen die Früchte. Denn bevor wir gute Frucht bringen können müssen wir zuerst selbst vom Saft des Weinstocks versorgt werden. Durch Jesus fließt uns die gute Nachricht des Rechtsspruchs Gottes zu: „Du bist recht!“. Gott hat nichts gegen dich!

    Durch das Vertrauen auf diese Worte von Jesus fließt uns dann auch die Gerechtigkeit zu. Ich brauche nicht mehr zu sein, als das was ich bin: Ein geliebtes Kind Gottes. Ganz real lässt Jesus sein Leben uns zufließen in jedem Abendmahl, das wir feiern. „Ich komme zu euch und bringe Leben, Gemeinschaft und Vergebung dorthin wo ihr seid“, höre ich Jesus darin sagen. Das ist Gerechtigkeit, dass Jesus uns in eine versöhnte Beziehung mit Gott hineinstellt.

    Gute Früchte in unserem Leben werden nur entstehen, wenn wir in Christus bleiben und er in uns, „denn ohne mich könnt ihr nichts tun.“ Die Früchte entstehen nicht aus unseren vermeintlich guten Absichten, sondern sie sind die Zeichen von Christi Leben in uns. Es gibt daher keinen Grund sich zu rühmen, etwas toll gemacht zu haben, aber es gibt jede Menge Gründe sich zu freuen und dankbar zu sein, wenn die Früchte des Rechtsspruchs und der Gerechtigkeit in unserem Leben Raum gewinnen. Denn darin zeigt sich Christi Leben in uns.

     

     

    5 Wohlan, ich will euch zeigen, was ich mit meinem Weinberg tun will! Sein Zaun soll weggenommen werden, dass er kahl gefressen werde, und seine Mauer soll eingerissen werden, dass er zertreten werde. 6 Ich will ihn wüst liegen lassen, dass er nicht beschnitten noch gehackt werde, sondern Disteln und Dornen darauf wachsen, und will den Wolken gebieten, dass sie nicht darauf regnen.

    Selbst diese Worte werden mir zur guten Nachricht. Natürlich, es ist zunächst beängstigend. Dass Gott so handelt, bringen wir mit dem häufig gepredigten Gottesbild vom harmlos lieben Gott nur schwer in Verbindung. Der Gott, von dem hier gesprochen wird, von dem kommt alles – er hat sich um die Pflanzung des Weinbergs gekümmert, aber es ist nichts daraus geworden und jetzt lässt er diesen Weinberg abfressen, zertreten, vertrocknen – kurz: zu Grunde gehen. Auch hier ist es mir viel lieber und es bringt Freiheit, wenn ich mir klar werde, dass das Austrocknen und Verdorren von Gott kommt. Wäre es Menschensache das aufzuhalten, dann würde das wieder eine viel zu große Last bedeuten.

    Wenn nun alles austrocknet und der Regen fehlt, dann ist das keine Strafe, die ich mit besonders gutem Verhalten aufhalten kann, sondern dann sehe ich, dass Gott selbst am Werk ist, der wieder Platz macht, dass Neues entstehen kann. So bringt mich selbst die Dürre näher hin zu Gott. Was für eine gute Nachricht. Ja nicht einmal die Dürre muss mein Ende sein, schließlich gibt es ja den wahren Weinstock Jesus Christus, der niemals seine Kraft verlieren wird. Glücklich zu preisen ist, wer in diesen durch den Glauben eingepfropft wird und an ihm hängt.

    Amen.

  • add 21.02.2021: Predigt zum Sonntag Invocavit, 21.2.2021 über Johannes 13, 21-30 von Pfarrerin Ditta Grefe-Schlüntz

    Predigt als PDF 198 KB

     

    Heute ist Invocavit, und die Passionszeit beginnt. Es ist eine Zeit der Vorbereitung auf Ostern, eine zeit der besonderen Betrachtung unseres Lebens. Eine Zeit der Ehrlichkeit und der Selbsterkenntnis. Viele Menschen fasten in dieser Zeit, verlangsamen manches, überdenken Ihr Tun, ihr Leben. Passend dazu bereitet sich draußen die Natur auf den Frühling vor, und ebenfalls passend zu alldem führt uns der Predigttext aus dem Johannesevangelium direkt hinein in die Passionsgeschichte Jesu. In Johannes 13, 21-30 finden wir Jesus und seine Jünger, seine Freunde, beim gemeinsamen Mahl, wie sie es so oft miteinander erlebt haben. Und doch ist dieses Mahl ein besonderes. Lesen Sie selbst:

    „Jesus wurde erregt im Geist und bezeugte und sprach: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: einer unter euch wird mich verraten. Da sahen sich die Jünger untereinander an, und ihnen wurde bange, von wem er wohl redete. Es war aber einer unter seinen Jüngern, der zu Tische lag an der Brust Jesu, den hatte Jesus lieb. Dem winkte Simon Petrus, dass er fragen sollte, wer es wäre, von dem er redete. Jesus antwortete: Der ist’s, dem ich den Bissen eintauche und gebe. Und er nahm den Bissen, tauchte ihn ein und gab ihn Judas, dem Sohn des Simon Iskariot. Und nach dem Bissen fuhr der Satan in ihn. Da sprach Jesus zu ihm: Was du tust, das tue bald! Niemand am Tisch aber wusste, wozu er ihm das sagte. Denn einige meinten, weil Judas den Beutel hatte, spräche Jesus zu ihm: Kaufe, was wir zum Fest nötig haben!, oder dass er den Armen etwas geben sollte. Als er nun den Bissen genommen hatte, ging er alsbald hinaus. Und es war Nacht.“

    Eine dunkle Szene. Sie beginnt damit, dass Jesus erschüttert ist von dem, was da bald geschehen soll. Und sie endet damit, dass wir hinter Judas herschauen, der die Runde der Freunde verlässt und allein hinausgeht in die Nacht.

    Ein dunkle Szene. Und im Moment weiß ich noch nicht, wo in all dieser Dunkelheit das Evangelium zu finden ist, das ich doch verkündigen soll. Da fällt mir ein Wort von Martin Luther ein. Er hat einmal gesagt: Die Heilige Schrift ist ein Kräutlein, je mehr zu es reibst, um so mehr duftet es.“ Also gut, denke ich, dann versuchen wir das mal. Und ich schaue mir diese dunkle Szene doch noch einmal genauer an.

    Da liegen sie, wie es damals so üblich war, zum gemeinsamen Mahl zu Tisch. Mit der Linken stützen sie sich auf dem Boden auf, mit der Rechten nehmen sie sich zu Essen und zu Trinken vom Tisch in der Mitte. Damit alle Platz haben, liegen sie vor- und hintereinander versetzt, so stelle ich mir das vor. Gerade eben hat Jesus ihnen allen die Füße gewaschen, dem Lieblingsjünger Johannes, dem eifrigen Petrus, und dem Judas und allen anderen auch. Ihnen allen zeigt Jesus damit, dass er für sie da ist, dass er sich ihnen dienend und liebevoll zuwendet. Zunächst ist alles friedlich und freundlich.

    Aber dann kommt diese Erschütterung Jesu. Er scheint sich in diesem Moment bewusst zu werden, was geschehen wird und was da auf ihn zukommt, und Unheil und Gefährdung mischt sich in die friedliche Szene. Jesus soll von einem aus diesem vertrauten Kreis verraten werden, und dieses Wissen erschüttert und bedrückt Jesus. Darin begegnet er uns als verletzlicher Mensch, als einer von uns. Das rührt mich an. Und ich merke: an dieser Stelle nehme ich tatsächlich einen allerersten ganz feinen Duft wahr von dem Kräutlein des Evangeliums.

    Jesus ist erschüttert und bedrückt. Trotzdem ist er gefasst und absolut Herr der Lage. Es ist klar – er weiß genau, was geschehen wird. Und im Lauf der Szene sehen wir auch, dass er sogar derjenige ist, der dieses Geschehen anschubst, der mit dem Brot, das er Judas reicht, dem Satan sogar selbst das Zeichen gibt, seine dunkle Macht über Judas auszubreiten, und dann Judas anweist, rasch zu handeln und nicht zu zögern. Auch das hat etwas Tröstliches für mich: Jesus ist souverän. Er hat die Fäden in der Hand. Er dirigiert den Lauf der Dinge, und sogar dem Bösen gibt er selbst den Auftrag und macht ihn so zu einem Teil des Ganzen. Aber eben nur zu einem Teil.

    Jedenfalls spricht Jesus es dann auch aus, dieses Bedrohliche, diese Gefährdung, diese Dunkelheit, die ihn selbst erschüttern. Mit seinen Worten stellt er diese dunkle Verunsicherung mitten in die friedliche Runde: „Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: einer unter euch wird mich verraten. Da sahen sich die Jünger untereinander an, und ihnen wurde bange, von wem er wohl redete.“

    „Einer unter euch wird mich verraten.“ Bei diesen Worten wird den Jüngern bang. Nicht etwa nur Judas. Nein, allen wird bang. In den anderen Evangelien kann man an der Stelle lesen, wie die Jünger Jesus angstvoll fragen: „Bin ich’s?“ – „Herr, bin ich’s?“ Hier bei Johannes hört man diese einzelnen Jüngerfragen nicht. Hier lesen wir, wie Petrus, der so gern ein guter Jünger wäre, der – glaube ich – gern der beste Jünger Jesu wäre; wie Petrus also zu Johannes hinüberschaut, zu dem Jünger, dessen Kopf an Jesu Brust ruht, der ihm ganz nah ist und vertraulich mit ihm sprechen kann. Petrus bedeutet Johannes, Jesus zu fragen, wer das sei, wer von ihnen Jesus verraten würde. Man spürt in diesen Zeilen die Spannung, die im Raum liegt, und ja, die Furcht – meint Jesus etwa mich? Man spürt, wie ihnen bang wird, dort in der Runde um den Tisch, und wie sich die Dunkelheit über sie zu legen beginnt.

    Wenn den Jüngern bang wird, von wem Jesus redet, dann liegt darin viel Ehrliches. Bang wird ihnen nämlich nicht nur zumute durch den Verrat und die gegenseitigen Verdächtigungen, die nun beginnen. Bang macht auch die Ahnung der eigenen Abgründe. Bang macht sie die Ahnung: „Jesus kennt mich. Vielleicht meint er mich. Es könnte sein, dass er mich meint.“

    Dann aber ist es Judas, dem Jesus das Stück Brot reicht. Jeder von den zwölf hätte es sein können, Judas ist einer von ihnen. Einer von denen, denen Jesus die Füße gewaschen hat. Judas ist auch nicht der einzige Jünger, der Jesus untreu wird. Wir wissen von Petrus und der Geschichte mit dem Hahn. Aber auch die anderen – am Ende, unter dem Kreuz, sucht man die zwölf vergeblich.

    Judas ist einer der Jünger. Judas ist einer von uns. In ihm ist Gut und Böse genauso vielschichtig verstrickt wie auch in uns. Er ist Eni Freund und ein Verräter, einer der schuldig wird und über seine Schuld verzweifelt. Er ist einer von denen, denen Jesus die Füße gewaschen hat. Er ist einer der zwölf, und er ist einer von uns.

    Judas reicht Jesus das Stück Brot. Sonst ein Zeichen für das Leben, dieses Stück Brot, das Jesus bricht. Jetzt ein Zeichen für den Beginn der Geschehnisse, die Jesus ans Kreuz bringen. Den er am Ende überwinden wird. Vielleicht deshalb das Brot?

    Und Judas nimmt das Brot an, isst es. „Und nach dem Bissen fuhr der Satan in ihn ein.“

    Der Satan. Es gibt nur wenige Predigttexte, in denen der Satan explizit erwähnt wird. Hier in unserem Predigttext können wir ihn nicht übersehen. Hier steht er für das Unheil, das nun beginnt, für die böse Macht, die sich ausbreitet.

    Der Satan – im Zentrum der Verkündigung Jesu kommt er immer wieder vor. Deshalb stellt uns die Bibel vor die Aufgabe, über das Böse zu reden. Es nicht klein zu reden. Viel zu stark wird von seinen Auswirkungen in der Bibel geschrieben, viel zu stark erleben wir böse Mächte in unserer Welt, mit existentiellen und bedrohlichen Folgen für das Leben. Es ist eine Macht, die größer ist als ein konkreter Mensch, größer als Judas, größer als ich. Durch seine Gedanken und sein Handeln lässt sich Judas auf eine Macht ein, die stärker ist als er und ihn schließlich beherrscht. Und da Judas einer von den zwölfen ist und einer von uns, trifft das überhaupt auf uns Menschen zu. Diese Erfahrung, dass wir eigentlich doch das Gute wollen, es aber viel zu oft nicht tun, stattdessen das Schlechte tun, was wir im Grunde gar nicht wollen. Den Teufel ernst zu nehmen, schreibt Frederick Buechner, ist die Tatsache ernst zu nehmen, dass das Übel in der Welt größer ist als die Summe seiner Teile.

    Diese Erfahrungen legen eine große Dunkelheit über unsere Welt. Am Ende unseres Bibeltextes verlässt Judas die Gemeinschaft seiner Freunde um den Tisch. Er geht allein hinaus in die Nacht. Wir schauen ihm hinter her und wissen: wie er sind auch wir nicht stärker als das Böse.

    Und doch lesen wir in dieser Szene vom gemeinsamen Mahl Jesu und seiner Jünger: die Macht des Bösen ist am Ende der Liebe Gottes immer unterlegen. Das Böse kann nur den Raum einnehmen, den Christus ihm gewährt. Die Macht des Bösen ist begrenzt. So, wie es Johannes in seinem Evangelium erzählt, muss selbst der Satan seinen Teil zur Umsetzung des Heilsplans Gottes beitragen.

    An dieser Stelle meiner Gedanken stehe ich auf und gehe ans Fenster. Eine Kohlmeise sitzt in den Zweigen des Holunderbusches vor meinem Fenster. Ich öffne es und höre, wie sie ihr Lied singt. Ich atme die frische Luft ein, in der ein Hauch Frühling liegt und spüre die warme Februarsonne. Ja, denke ich, es hat wirklich zu duften begonnen, das Kräutlein der Heiligen Schrift. Es hat sich gelohnt, an diesem dunklen Text zu reiben.

    Ich wünsche Ihnen eine gesegnete Passionszeit!

    Amen.

  • add Predigten 2021

    28.02.2021: Predigt von Pfr. Lukas Frei über Jesaja 5,1-7 am Sonntag Reminiszere finden Sie hier

    21.02.2021: Predigt zum Sonntag Invocavit, 21.2.2021 über Johannes 13, 21-30 von Pfarrerin Ditta Grefe-Schlüntz finden Sie hier

    14.02.2021: Ein Fasten, das Gott gefällt – Predigt von Pfr. Lukas Frei über Jesaja 58,1-10 (vom 14. Februar 2021, Sonntag Estomihi) finden Sie hier

    7.02.2021: Predigt zum Sonntag Sexagesimae, 7. Februar 2021, von Pfarrerin Ditta Grefe-Schlüntz über Lukas 8, 4-8 finden Sie hier

    31.01.2021: Predigt von Pfr. Lukas Frei über 2. Petrus 1,16-19 am 31.01.2021 (Letzter Sonntag nach Epiphanias) finden Sie hier

    24.01.2021: Predigt über Rut 1, 1-19a zum 3. Sonntag nach Epiphanias, 24.1.2021 von Pfarrerin Ditta Grefe-Schlüntz finden Sie hier

    17.01.2021: Predigt zu Joh 2, 1-11: „Hochzeit zu Kana“ von Pfr. Lukas Frei 17.1.2021 finden Sie hier

    10.01.2021: Predigt über Römer 12, 1-8 zum 1. Sonntag nach Epiphanias, 10.1.2021, von Pfarrerin Ditta Grefe-Schlüntz finden Sie hier

    06.01.2021: Predigt zu Epiphanias, 6. Januar 2021, über Jesaja 60, 1-6 von Pfarrerin Grefe-Schlüntz finden Sie hier

    03.01.2021: Predigt zum 2. Sonntag nach dem Christfest (3. Januar 2021) über Lukas 22, 41-52 von Pfarrerin Ditta Grefe-Schlüntz finden Sie hier

    1.01.2021: Predigt zu Neujahr über die Jahreslosung „Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist!“ Lukas 6, 36 von Pfarrerin Ditta Grefe-Schlüntz finden Sie hier

    31.12.2020: Predigt zum Altjahrabend 2020 (Silvester) von Pfr. Lukas Frei finden Sie hier

    25.12.2020: Predigt zum 1. Feiertag von Pfarrerin Ditta Grefe-Schlüntz über Jesaja 52, 7-10 finden Sie hier

    24.12.2020: Predigt zur Christmette über Jesaja 11, 1-10, von Pfarrerin Ditta Grefe-Schlüntz finden Sie hier

    24.12.2020: Predigt zu Heilig Abend  (Grossvillars) von Pfarrer Lukas Frey finden Sie hier

    24.12.2020: Predigt zu Heilig Abend über Jesaja 9, 1-6 von Pfarrerin Ditta Grefe-Schlüntz finden Sie hier

    20.12.2020: Predigt zum 4. Advent über 1. Mose 18, 1-2.9-15 von Pfarrerin Ditta Grefe-Schlüntz finden sie hier

     

  • add Predigten 2020

    15.03.2020 Predigt von Markus Deutsch finden Sie hier

    22.03.2020 Predigt von Lukas Frei finden Sie hier

    29.03.2020 Predigt von Ditta Grefe-Schlünz finden Sie hier

    05.04.2020 Predigt von Lukas Frei finden Sie hier

    09.04.2020 Predigt zum Gründonnerstag von Ditta Grefe-Schlünz finden Sie hier

    10.04.2020 Predigt zum Karfreitag von Lukas Frei finden Sie hier

    12.04.2020 Predigt zum Ostersonntag von Ditta Grefe-Schlünz finden Sie hier

    13.04.2020 Predigt zum Ostermontag von Lukas Frei finden Sie hier

    19.04.2020 Predigt von Markus Deutsch finden Sie hier

    26.04.2020 Predigt von Ditta Grefe-Schlünz finden Sie hier

    03.05.2020 Predigt von Lukas Frei finden Sie hier

    10.05.2020 Predigt Kantate von Ditta Grefe.Schlünz finden SIe hier

    17.05.2020 Predigt zum Sonntag Rogate von Lukas Frei finden Sie hier

    21.05.2020 Predigt zu Himmelfahrt von Lukas Frei finden Sie hier

    24.05.2020 Predigt zu Exaudi von Ditta Grefe Schlünz finden Sie hier

    31.05.2020 Predigt zu Pfingstsonntag von Ditta Grefe-Schlüntz finden Sie hier

     

     

Übersicht der Predigten 2021

28.02.2021: Predigt von Pfr. Lukas Frei über Jesaja 5,1-7 am Sonntag Reminiszere finden Sie hier

21.02.2021: Predigt zum Sonntag Invocavit, 21.2.2021 über Johannes 13, 21-30 von Pfarrerin Ditta Grefe-Schlüntz finden Sie hier

14.02.2021: Ein Fasten, das Gott gefällt – Predigt von Pfr. Lukas Frei über Jesaja 58,1-10 (vom 14. Februar 2021, Sonntag Estomihi) finden Sie hier

7.02.2021: Predigt zum Sonntag Sexagesimae, 7. Februar 2021, von Pfarrerin Ditta Grefe-Schlüntz über Lukas 8, 4-8 finden Sie hier

31.01.2021: Predigt von Pfr. Lukas Frei über 2. Petrus 1,16-19 am 31.01.2021 (Letzter Sonntag nach Epiphanias) finden Sie hier

24.01.2021: Predigt über Rut 1, 1-19a zum 3. Sonntag nach Epiphanias, 24.1.2021 von Pfarrerin Ditta Grefe-Schlüntz finden Sie hier

17.01.2021: Predigt zu Joh 2, 1-11: „Hochzeit zu Kana“ von Pfr. Lukas Frei 17.1.2021 finden Sie hier

10.01.2021: Predigt über Römer 12, 1-8 zum 1. Sonntag nach Epiphanias, 10.1.2021, von Pfarrerin Ditta Grefe-Schlüntz finden Sie hier

06.01.2021: Predigt zu Epiphanias, 6. Januar 2021, über Jesaja 60, 1-6 von Pfarrerin Grefe-Schlüntz finden Sie hier

03.01.2021: Predigt zum 2. Sonntag nach dem Christfest (3. Januar 2021) über Lukas 22, 41-52 von Pfarrerin Ditta Grefe-Schlüntz finden Sie hier

1.01.2021: Predigt zu Neujahr über die Jahreslosung „Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist!“ Lukas 6, 36 von Pfarrerin Ditta Grefe-Schlüntz finden Sie hier

31.12.2020: Predigt zum Altjahrabend 2020 (Silvester) von Pfr. Lukas Frei finden Sie hier

25.12.2020: Predigt zum 1. Feiertag von Pfarrerin Ditta Grefe-Schlüntz über Jesaja 52, 7-10 finden Sie hier

24.12.2020: Predigt zur Christmette über Jesaja 11, 1-10, von Pfarrerin Ditta Grefe-Schlüntz finden Sie hier

24.12.2020: Predigt zu Heilig Abend  (Grossvillars) von Pfarrer Lukas Frey finden Sie hier

24.12.2020: Predigt zu Heilig Abend über Jesaja 9, 1-6 von Pfarrerin Ditta Grefe-Schlüntz finden Sie hier

20.12.2020: Predigt zum 4. Advent über 1. Mose 18, 1-2.9-15 von Pfarrerin Ditta Grefe-Schlüntz finden sie hier

Übersicht der Predigten 2020

15.03.2020 Predigt von Markus Deutsch finden Sie hier

22.03.2020 Predigt von Lukas Frei finden Sie hier

29.03.2020 Predigt von Ditta Grefe-Schlünz finden Sie hier

05.04.2020 Predigt von Lukas Frei finden Sie hier

09.04.2020 Predigt zum Gründonnerstag von Ditta Grefe-Schlünz finden Sie hier

10.04.2020 Predigt zum Karfreitag von Lukas Frei finden Sie hier

12.04.2020 Predigt zum Ostersonntag von Ditta Grefe-Schlünz finden Sie hier

13.04.2020 Predigt zum Ostermontag von Lukas Frei finden Sie hier

19.04.2020 Predigt von Markus Deutsch finden Sie hier

26.04.2020 Predigt von Ditta Grefe-Schlünz finden Sie hier

03.05.2020 Predigt von Lukas Frei finden Sie hier

10.05.2020 Predigt Kantate von Ditta Grefe.Schlünz finden SIe hier

17.05.2020 Predigt zum Sonntag Rogate von Lukas Frei finden Sie hier

21.05.2020 Predigt zu Himmelfahrt von Lukas Frei finden Sie hier

24.05.2020 Predigt zu Exaudi von Ditta Grefe Schlünz finden Sie hier

31.05.2020 Predigt zu Pfingstsonntag von Ditta Grefe-Schlüntz finden Sie hier